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Audiogeräte, Einstellungen und Puffer in MAGIX Music Maker Premium

Audiogeräte, Einstellungen und Puffer in MAGIX Music Maker Premium

In meinem letzten Artikel behandelten wir Themen, die in Verbindung mit der Audiolatenz im MAGIX Music Maker auftreten können, deren Symptome, warum sie auftritt und wie sie sich am besten vermeiden lässt. Diesmal wollen wir uns etwas genauer anschauen, wie die Audioeinstellungen des Music Makers für die gebräuchlichsten Anwendungen bei einer Musikproduktion konfiguriert werden sollten. Diese Konzepte sind übrigens auch auf das Samplitude Music Studio übertragbar, dem „nächstgrößeren“ Programm nach der Music-Maker-Reihe. Zwar sind die Audio-Einstellungsdialoge der zwei Programme verschieden, die Konzepte aber recht ähnlich. Außerdem werden wir uns mit Software- und Hardware-Audiogeräten beschäftigen, einschließlich ASIO-Geräten (Audio Stream Input/Output) und ihrer Bedeutung sowohl für die Systemperformanz als auch für die Aufnahme-Fähigkeiten.

Benutzen Sie ein Hardware- oder Software-Audiogerät?

Die meisten Künstler, Produzenten und Komponisten, die von zu hause aus arbeiten, insbesondere solche, die gerade erst mit der digitalen Musikproduktion anfangen, benutzen wahrscheinlich einen Heim-PC ohne externes Audiogerät. Anders gesagt, Ihr Computer benutzt das eingebaute Audiogerät, wenn Sie mit dem Music Maker anfangen, solange Sie nicht eine Soundkarte in Ihren Rechner einbauen (oder eine externe Soundkarte an Ihren Laptop anschließen). Um das in Windows zu überprüfen, klicken Sie auf das Lautsprechersymbol im Infobereich (rechts unten in der Ecke neben der Zeitanzeige) und öffnen den Mixer, wo die verfügbaren Audiogeräte aufgelistet sind. Realtek zum Beispiel stellt ein sehr weit verbreitetes Audiogerät her (Realtek High Definition Audio), von dem Sie vielleicht schon einmal gehört haben, denn es in sehr viele Mainboards integriert. Als Beispiel für ein externes Audiogerät benutze ich mein eigenes M-Audio M-Track Plus Gerät, um die Benutzung und Konfiguration eines am USB-Port angeschlossenen ASIO-Geräts zu demonstrieren. Wenn Sie solch ein Gerät von M-Audio oder einem anderen Hersteller besitzen, gibt es in Ihrem Infobereich eventuell auch ein Icon dafür, das angezeigt wird, wenn Sie diesen Bereich erweitern (Abbildung 1)  Mit diesem können Sie Samplerate und Puffer für das Gerät einstellen, aber diese Einstellungen lassen sich nur ändern, bevor Sie Ihre DAW starten oder das Gerät zur Benutzung auswählen, andernfalls sind die Einstellungen ausgegraut.

notification area (1)

Abbildung 1 – Im Infobereich können Soundkarte und Parameter geändert werden In diesem Beispiel wird das mit einer M-Audio Soundkarte veranschaulicht

Welche Puffereinstellungen sollten im Musik Maker mit externen Geräten benutzt werden?

Für Systeme der unteren Leistungsklasse würde ich es als Ausgangspunkt bei den voreingestellten Werten belassen, als Samplerate 44100 Hz und die die Puffergröße bei 256 Samples. Bei 44,1 kHz werden Ihre Projekte in 16-Bit-CD-Qualität aufgenommen und exportiert, während 48 kHz meistens (aber nicht immer).mit einer 24-Bit-Produktion kombiniert wird. Das hängt von der verwendeten Hard- und Software ab, hauptsächlich von den Fähigkeiten der verwendeten DAW und des ASIO-Gerätes. Das menschliche Ohr kann nicht zwischen einer 16-Bit- und einer 24-Bit-Aufnahme unterscheiden, aber die Unterschiede sind durch einen Toningenieur in der Wellenformdarstellung erkennbar und können wichtig werden, wenn es bei einer Produktion auf eine feinere Auflösung und eine größere Aussteuerungsreserve ankommt. Für die meisten Heimanwender sollte 44.1kHz mit 16 Bit ausreichen, es sei denn, der Mastering-Ingenieur verlangt es anders, und ich würde auch empfehlen, vor einer größeren Produktion mit einem zu sprechen, um Ziele und Ansprüche abzuklären. Es ist einfach, beim Export eines Projektes aus dem Music Maker die Parameter anzupassen, mit der Tastenkombination Umschalt + W wird der Wave-Export-Dialog geöffnet. (Abbildung 2). Außerdem ist es so, dass die meisten Plattformen, die online kommerzielle Werke publizieren, eine minimale Auflösung von 44,1kHz mit 16 Bit für WAV-Dateien erlauben und ist es vollkommen in Ordnung mit 48kHz und 24 Bit zu produzieren und das fertige Projekt dann mit einer niedrigeren Samplerate zu exportieren.

export project menu (2)

Abbildung 2- Music Maker kann Projekte mit verschiedenen Sampleraten als WAV Datei exportieren. Stelle Sie sicher, dass Sie das Projekt nicht normalisieren und keine Kompression benutzen, um die Dynamik und Soundqualität zu erhalten.

Wenn Sie WAV Treiber benutzen, kann Music Maker Projekte mit 48kHz und 24 Bit exportieren. Typischerweise funktionieren Geräte wie dieses ziemlich gut im Bereich von 128 bis 256 Samples, im Extremfall auch bis zu 512 Samples.  Außerhalb dieses Bereichs könnte es zu seltsamen Verzerrungen, extremer Latenz oder sogar einem Totalausfall der Audioausgabe kommen. Dies hängt wieder von zahlreichen Faktoren ab, wie:

  •  der Größe des Projekts, also die Anzahl der Spuren, Effekte, Objekte oder Software-Instrumente;
  •  der Konfiguration der Soundkarte unter Windows selbst;
  •   den Puffergrößen und der Samplerate des Projekts;
  •   der Rechnerauslastung, der Leistungsfähigkeit der CPU und dem verfügbaren Speicher.

Bitte beachten Sie, dass bei Nutzung einer externen Soundkarte die Leistung auch absinken kann, wenn das Gerät nicht direkt an den Computer angeschlossen ist, sondern indirekt über einen Hub, das hängt mit Problemen bei der Bereitstellung von Ressourcen zusammen (d.h. es entsteht Latenz) und möglichen Unregelmäßigkeiten in der Stromversorgung (z.B. liefern manche Hubs nicht die für USB geforderten konstanten 5 Volt Betriebsspannung). Wenn Sie gezwungen sind, einen Hub zu benutzen und keine andere Wahl haben, benutzen Sie einen hochwertigen mit eigenem Netzteil, der nicht nur über den USB-Port mit Strom versorgt wird. Bei Echtzeit-Audiomonitoring und die Nutzung virtueller Instrumente erlauben optimale Einstellungen eine flüssigere Wiedergabe, es lohnt sich also, mit diesen Einstellungen zu experimentieren, um sie für Ihr System and ihre Bedürfnisse anzupassen. Wie in meinem letzten Artikel über die Problembehebung mit Latenzen schon angemerkt, kann das eher als eine Kunst als eine Wissenschaft gesehen werden, obwohl dahinter natürlich Wissenschaft steckt.

Eine generelle Faustregel lautet: Für eine Verringerung der Echtzeit-Latenz halten Sie die Pufferanzahl so gering wie möglich. Die Pufferanzahl gering zu halten hilft, die Latenz gering zu halten und das Echtzeitverhalten zu verbessern, aber es kann auch die CPU stark belasten. Wenn nötig, erhöhen Sie die Mehrspur-Puffer im Music Maker um jeweils 1, während Sie die Puffergröße auf dem voreingestellten Wert von 256 oder 128 belassen. Wenn nötig, erhöhen Sie die Pufferanzahl um jeweils 1, bis keine Knackser und Verzerrungen mehr auftreten.

Welche Puffereinstellungen sollten im Musik Maker im Dialog Audio/MIDI eingestellt werden?

Die Einstellung der Puffer ist der verwirrendste Aspekt für jeden Anfänger an jeder DAW und das ist beim Music Maker nicht anders. Mit der Taste P erreichen Sie die Programmeinstellungen des Music Makers, wechseln Sie dann in die Audioeinstellungen, indem Sie den Reiter Audio/MIDI auswählen. (Abbildung 3) In dem Dialog können Sie ein Software- oder Hardware-Audiogerät auswählen, und bevor wir gängige Einstellungen erläutern, kurz ein paar Erklärungen zu den verfügbaren Optionen. Die Reihenfolge der Präsentation entspricht der Reihenfolge, in der wir die Wahl der Optionen empfehlen:

  • ASIO Treiber: Die Firma Steinberg hat die ASIO-Technologie erfunden, zusammen mit VST (Virtual Studio Technologie), die uns den Einsatz virtueller Instrumente ermöglicht. Mit dieser Option können Sie dann weiter wählen zwischen einer Software-Simulation eines Gerätes mit geringer Latenz oder einem echten Hardware-ASIO-Gerät. Als Beispiel für den Software-Treiber steht in diesem Artikel der MAGIX Low Latency 2016 Treiber sowie der M-Track Quad ASIO-Treiber für das angeschlossene M-Track ASIO-Gerät. Hardware-Geräte sind die erste Wahl, während die Software-Emulation nur eine Ersatzoption sein sollte.

  • WASAPI-Treiber: WASAPI steht für Windows Audio Session API und ist ein neuerer Herausforderer des Wave-Treibermodells, war aber eigentlich als professioneller Ersatz des Windows Driver Models (WDM) gedacht, wegen seiner Fähigkeit, Systemressourcen exklusiv zu verwalten. Wenn andere Methoden in Ihrem System nicht funktionieren, hat WASAPI ein paar Vorteile, wie die Verwaltung exklusiver Zugriffsrechte zu lebenswichtigen Systemressourcen und der Treiber kann ein guter Ersatz für ASIO-Treiber sein, falls diese auf Ihrem System nicht funktionieren sollten. Außerdem funktionieren die WASAPI-Treiber auch mit eingebauten Soundkarten oder sogar externen Audio-Geräten.

  • Wave-Treiber: Wave-Treiber werden von Windows als Ausgabemethode benutzt und eignen sich besonders zum Rendern von sehr CPU-intensiven Projekten, zum Beispiel mit vielen MIDI-Spuren. Wenn es bei der ASIO-Ausgabe bei größeren Projekten eng wird wird und eine Veränderung der Puffereinstellungen keine Verbesserung bewirkt, wenn Sie kein Hardware-Gerät mit richtigem ASIO-Treiber haben und der MAGIX Low Latency 2016 Treiber auch nicht funktioniert, kann diese Option am besten sein. wenn Sie Wave-Treiber benutzen, muss das Projekt fürs Rendern zunächst in den Puffer vorgeladen werden, daher muss die Mehrspur-Puffergröße eventuell bis auf 32768 Samples erhöht werden und außerdem die Pufferanzahl. Denken Sie daran, alle ungenutzten Samples, die Sie vielleicht vorübergehend an das Ende ihres Stücks geschoben haben zu entfernen, sonst werden Sie mit gerendert. Und: Speichern Sie Ihr Projekt, bevor Sie es mit dem Wave-Treiber rendern, ich habe Music Maker beim Rendern schon plötzlich abstürzen sehen, wenn die Puffereinstellungen so ungünstig eingestellt waren, dass die CPU überlastet wurde. Speichern Sie immer Ihr Projekt!

  • Direct Sound: Diese Methode nutzt die DirectSound-Komponente von Microsofts DirectX und ist nun eine Software-Emulation, die über WASAPI angesteuert wird. Laut Creative und Microsoft ist DirectSound nur noch eine emulierte Audioausgabe, um kompatibel mit Microsoft-Betriebssystem-Funktionen zu bleiben. Wenn alles andere fehlschlägt beim Abspielen und Rendern, DirectSound sollte immer funktionieren, allerdings mit stark erhöhter Latenz.

audio setup menu (3)

Abbildung 3- In der linken Spalte gibt es viele Optionen zur Auswahl, aber die „richtige“ Wahl ist subjektiv und hängt von der Systemhardware, – Software und Komplexität des Projekts ab. Experimentieren Sie ruhig mit den angebotenen Optionen, um die für Ihr System beste Option zu finden.

Anzahl Puffer bezieht sich auf die Anzahl der aktuell benutzten Puffer. Denken Sie sich Puffer als „Stückchen“, in die die Audiodaten aufgeteilt werden, und jeder Puffer enthält ein „Stückchen“, die dann bei der Ausgabe wieder zusammen gesetzt werden. Ein Puffer gibt dem System die Möglichkeit, Audiodaten „vorzeitig“ zu lesen, um Knacksen, Verzerrungen und andere Störungen bei der Audiowiedergabe zu vermeiden. Abhängig vom benutzten Audiotreiber haben Sie mehr oder weniger Spielraum, diese Pufferanzahl zu erhöhen oder zu vermindern, je nach den Gegebenheiten des benutzten Treibermodells.

Größe Mehrspur ist der Hauptpuffer, der wenn nötig verändert werden kann und sollte, wobei man einen möglichst kleinen Wert anstreben sollte. Wenn Sie ein Hardware basiertes ASIO-Gerät benutzen, denken Sie daran, dass Sie noch dessen ASIO-Puffer für den Anfang auf entweder 128 oder 256 Samples einstellen.

Die letzte Option, Vorschau-Puffer, hängt mit dem Puffern zusammen, das man für die Vorschau von MAGIX Soundpools braucht, wenn die Loops beim Anklicken wiedergegeben werden, um dem Nutzer die Auswahl zu erleichtern, einige sind Samples, andere sind eine Kombination aus MIDI-Daten und Instrumenten. Der Puffer kann zunächst klein eingestellt werden, 4096 oder 2048 Samples und, wenn nötig vergrößert werden, abhängig von der Anzahl der verwendeten Samples und der Systemperformanz.

Wie geht es jetzt weiter?

Wie Sie sehen konnten, gibt es eine Menge Treiber- und Audiokonzepte zu bedenken, nicht nur beim Konfigurieren von Audio, sondern auch beim Anpassen dieser Einstellungen, wenn das Projekt wächst. Aus diesem guten Grund konfiguriere ich alle meine MAGIX-basierten Audio-Workstations für die Kunden, denn wenn Sie meinen, dass das verwirrend ist, haben Sie recht. Es ist immer gut, eine Basis-Einstellung für Ihre spezielles System zu haben, die Sie verstehen und zu der Sie immer zurückkehren können. In dem Maße, wie Ihr Projekt anwächst und komplexer wird, müssen Sie diese möglicherweise ändern und Sie sollten keine Scheu haben, das auch zu tun. Übrigens benutzt Music Maker voreingestellt zwei CPU-Kerne, während Samplitude Music Studio mehr Kerne unterstützt. Ich erwähne das deshalb extra, um Ihnen in Erinnerung zu rufen, dass Music Maker eine Einsteiger-DAW ist, und obwohl schon sehr flexibel und leistungsfähig, werden Sie doch irgendwann an ihre Grenzen stoßen, wo Sie entweder einen schnelleren Prozessor oder eine ASIO-Soundkarte brauchen oder – ein Upgrade auf Samplitude Music Studio. Glücklicherweise können Projekte ins Music Studio importiert werden und alle Soundpools und Vita-Instrumente weiter benutzt werden. Ich nutze sowohl Music Maker als Music Studio, das eine Programm ergänzt das andere, indem ich mit dem einen musikalische skizziere, was dann im anderen zu richtigen Produktionen wächst.  In den nächsten Artikeln konzentriere ich mich auf weitere Einstellungen, Funktionen und Produktionstechniken in beiden Programmen, Music Maker und Music Studio

Wenn ihr noch keine DAW-Software für die Umsetzung eurer musikalischen Ideen habt, dann ladet euch die Testversion herunter! Mit den hier genannten Tipps, holt ihr das Optimum aus dem Music Maker heraus!

Derek NeutsDerek Neuts

Derek begann seinen IT-, Multimedia- und musikalischen Werdegang als Kind mit einer neunjährigen privaten Ausbildung in klassischem Piano und Komposition. Er lernte und arbeitete als PC-Hardware-Techniker sowie als Techniker, Videofilmer und Editor und hat über 20 Jahre Technologie-Erfahrung. Derek hat einen BA in Wirtschaft und Kommunikation der Marylhurst Universität und sowie den Master of Science in Industrie- und Organisationspsychologie an der Capella Universität. Er ist ehemaliger Inhaber von DAW Studio Systems, einem Anbieter von speziell auf die MAGIX Produktpalette angepassten Audio-Workstation-Lösungen. Derek arbeitet nach wie vor eng mit MAGIX zusammen und bietet Unterstützung durch Produktteste, Kollaborationen und Real-World-Application von spezifischen MAGIX Titeln.

Momentan ist Derek der Geschäftsführer des digitalen Services Visual Thinking Inc., eine internationale Organisations- und Beratungsfirma aus Portland, Oregon. Dort programmiert er, arbeitet an Medienprojekten und hält die digitale Infrastruktur instand. Derek implementiert in seinem alltäglichen Workflow die Audio- und Videoprodukte von MAGIX.

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