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Dynamik im Mix

Dynamik im Mix

Dynamik, Druck und Lautheit – diese drei Faktoren stehen sich oft entgegen. Gerade wenn es darum geht, den optimalen Mix zu erstellen. Durch den Einsatz von Kompressor und Limiter erreicht ihr eine höhere Lautheit von Einzel- und Summensignalen. Dies geht allerdings auf Kosten der Dynamik. Bei zu extensivem Gebrauch des Limiters verliert der Mix darüber hinaus an Druck, da Limiting vor allem die Wahrnehmung der tiefen Frequenzen beschränkt.

I. Frequenzstaffelung

Ein Hauptpunkt, der zu beachten ist, um einen dynamischen Mix zu erlangen, besteht in einer ausgewogenen Frequenzstaffelung. Prinzipiell werden sich viele Instrumente in ihren Frequenzbereichen überschneiden. Achtet in eurem Mix darauf, selektiv für jedes Instrument die charakteristischen Frequenzen herauszustellen und diese für die anderen Instrumente eher leicht abzusenken.

In diesem Zusammmenhang ist es wichtig zu unterscheiden zwischen Lautstärke (Schalldruckpegel in dB) einzelner Instrumente und der subjektiven Wahrnehmung der Lautheit dieser Instrumente. Das menschliche Ohr empfindet verschiedene Frequenzen als unterschiedlich laut, auch wenn sie mit demselben Schalldruckpegel abgestrahlt werden. So ist der Mensch besonders sensibel für Töne im Bereich um 4 kHz.

Für den Mix wiederum bedeutet das, dass die Frequenzen zwischen 2kHz und 5 kHz der Mischung schon bei relativ geringem Pegel eine gute Präsenz ergeben. Um für die tieffrequenten Anteile von Instrumenten wie Drums oder Bass die gleiche Lautheit zu empfinden, muss man dagegen erheblich mehr Schalldruck erzeugen.

II. Frequenzbereiche zwischen 2kHz und 5kHz boosten

Hört euch zunächst die Drums zusammen mit dem Bass an:

 

1. Schritt: Wollt ihr Bass und Drums im Mix nach vorne holen, ohne allzuviel Energie/Pegel auf die tieffrequenten Anteile zu verwenden, boostet zunächst die Anschlagsfrequenzen von Bass (~5kHz)

Boosten der Anschlagsfrequenz vom Bass auf 5 kHz

und Kik (~3.5 kHz).

Boosten der Anschlagsfrequenz vom Bass auf 3 kHz

 

Wie ihr seht, haben wir die Signale von Kik und Bass zusätzlich mit Lo-Cut und Hi-Cut beschnitten, damit wirklich nur die relevanten Frequenzbestandteile im Mix verbleiben. So sorgt ihr dafür, dass euer Mix transparent bleibt.

Natürlich könnt ihr bei Bedarf für die Kik im tieffrequenten Bereich um die 60 Hz für etwas mehr „Bauch“ sorgen.

Erzeugung eines „Bauchs“ beim boosten

2. Schritt: Holt nun den Gesang bei 4kHz etwas nach vorne.

 

Gesang nach vorne holen

 

3. Schritt: Daneben boosten wir als dynamische Farbtupfer noch die perkussiven Instrumente wie Congas/Bongos im Refrain, um noch mehr Intensität in diesem Songpart zu generieren.

 

Boosten der perkussiven Instrumente

 

Achtet jedoch darauf, nicht zu viele Signale in diesem sensiblen Frequenzbereich zu betonen, da das Gehör sonst schnell ermüdet.

III. Lautstärkeautomation

Durch Lautstärkeautomation könnt ihr den Mix erheblich dynamischer gestalten. Der Vorgang erfordert jedoch etwas Ausdauer, da idealerweise jede Spur gemäß Songverlauf in ihrer relativen Lautstärke angepasst werden sollte.

Wenn ihr ein Gefühl für Fader-Fahrten mittels Maus oder Hardware-Controller entwickelt habt, könnt ihr durch Automation die jeweilige Spurlautstärke in einem Durchlauf anpassen.

1. Schritt: Bringt zunächst die Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Instrumente zueinander in eine grobe Balance, damit kein Instrument verschluckt wird oder allzu sehr aus der Mischung heraussticht.

2. Schritt: Für unseren Song stellen wir den Automationsmodus für die Faderautomation auf „Touch“.

Einstellung der Faderautomation auf „Touch“

Im Touch-Modus werden Automationsdaten nur solange aufgenommen, wie ihr das ausgewählte Kontrollelement mit der Maus oder von eurem externen Controller aus berührt. Sobald ihr die entsprechende Taste loslasst, wird die Automationsaufnahme beendet. Nach dem Loslassen bewegt sich das Kontrollelement zurück an die ursprüngliche Position.

3. Schritt: Fader-Riding: „Fahrt“ die zu automatisierenden Kanäle, indem ihr bei laufender Wiedergabe die Lautstärke an die Erfordernisse des Arrangements sowie des Songverlaufs anpasst.

Anpassen der Lautstärke an bestimmten Stellen während der Wiedergabe

4. Schritt: Schaltet den Automationsmodus wieder auf „Read“, um versehentliches Überschreiben der Automation zu verhindern.

Umschalten des Automationsmodus auf „Read“

Im Samplitude-Arranger seht ihr die geschriebene Automationskurve, wenn im Track Editor im Bereich „Automation“ das Häkchen bei „Show“ gesetzt ist und im Spurkopf die Schaltfläche „vol“ aktiviert ist.

Ausschnitt des Samplitude-Arrangers mit der Automationskurve

(Weitere Informationen zur Automation findet ihr unter „Samplitude Academy: Automation in Samplitude“)

Die beschwerlichere, aber dafür exaktere Methode ist es, die einzelnen Spuren systematisch durchzuhören und an den betreffenden Stellen im Song die Spurobjekte aufzuteilen und die Lautstärke händisch anzupassen. Lasst uns die Gesangsspur entsprechend bearbeiten.

 

1.Schritt: Hierzu teilen wir zunächst unser Gesangsobjekt an den einzelnen Textzeilen mit dem Tastaturkürzel „T“ in kleinere Objekte auf.

Teilen der Gesangsobjekte

2. Schritt: Bewegt die Maus über den mittleren Objektanfasser. Der Mauszeiger wird zum Doppelpfeil. Zieht nun nach oben bzw. unten, um die Lautstärke des betreffenden Objekts anzupassen. Wenn ihr dabei die Umschalttaste gedrückt haltet, könnt ihr die Änderung sehr fein einstellen.

Berarbeiten der Objektlautstärke innerhalb eines Objektes

Dabei könnt ihr die Objekte beliebig klein schneiden, um damit jeden Gesangslaut individuell in der Lautstärke zu steuern.

 

IV. Akzente setzen

Setzt rhythmische Akzente an markanten Stellen, um einzelne Instrumente kurz aus dem Mix herauszuheben.

1. Schritt: Wir teilen das Objekt „Guit Pick“ nach den ersten Anschlägen mit dem Tastaturkürzel „T“ auf.

Teilen des „Guit Pick“ Objektes

2. Schritt: Nun boosten wir die ersten Akkorde um 2dB, um so noch mehr Dynamik in die Mischung zu bringen.

Boosten der ersten Akkorde des Guit Pick Objektes

Außerdem tritt durch diese Methode ein psychoakustischer Effekt in Kraft: Das menschliche Gehör wertet ein Instrument, das nur am Beginn einer Passage betont wird als insgesamt lauter.

 

3. Schritt: In gleicher Weise betonen wir einzelne Bassdrum-Schläge sowie Wörter am Anfang von Textzeilen.

Betonen der Bassdrum-Schläge und Wörter am Anfang von Textzeilen

So nutzt ihr die Sensibilisierung des menschlichen Gehörs aus und erzeugt Dynamik sowie den Eindruck von Lautheit, indem ihr nur die erste Note bzw. das erste Wort einer Textzeile betont. Durch diese Methode könnt ihr Pegel „sparen“.

V. Dynamik durch Panoramaautomation

Durch die Verteilung der Instrumente im Stereobild könnt ihr die Stereobasis dynamisch im Songverlauf variieren und so für mehr Lebendigkeit in eurem Mix sorgen.

1. Schritt: Erzeugt ein dynamisches Stereofeld in eurer Songstruktur. Zieht beispielsweise den Song im Refrain im Vergleich zur Strophe in die Breite, indem ihr zusätzliche Gitarrenspuren im Panorama links außen und rechts außen anordnet oder durch kurze Effektakzente das Stereobild verändert.

2. Schritt: Für die Spur „Bass FX“ automatisieren wir das Panorama und bewegen das Signal zwischen links nach rechts hin- und her.

Automatisieren des Panoramas der BassFX Spur

 

Durch solche rhythmischen Panoramaanpassungen sorgt ihr für zusätzliche Dynamik im Stereofeld.

Wir wünschen euch viel Spaß beim dynamischen Mixen!

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