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Fake or Not #3: Handy in Chaplin Film von 1928?

chaplin handy Fake or Not #3: Handy in Chaplin Film von 1928?In der dritten Folge dieser neuen, kleinen Serie des MAGIX Magazins springen wir zurück in das Jahr 1928: die Welt befindet sich im letzten Jahr der sogenannten „Roaring Twenties“, einer riesigen, globalen Party, die durch eine überhitze Finanzwirtschaft im Jahr darauf ihr jähes Ende findet, da die Wirtschaft in eine bis dahin ungesehene Krise stürzt. Auch findet in diesem Jahr die Erstaufführung der Dreigroschen-Oper von Berthold Brecht in Berlin großen Beifall und es wird vergeblich versucht, Frauen von den Olympischen Spielen in Amsterdam auszuschließen … auf denen übrigens Johnny Weissmüller, der später als erster Film-Tarzan zu Weltruhm kommen sollte, seine zweite Goldmedaille nach 1924 holt.

Eine vergangene Welt, die wir aus Geschichtsbüchern oder Knopp-Dokumentation gut kennen. Alles in bester (Un-)Ordnungen also. Ein wenig Verwirrung stiftet über 80 Jahre später ein vermeintlich echtes Video aus diesen langvergangenen Tagen, entnommen dem Film The Circus (DE: „Der Zirkus“, Charles Chaplin 1928). Um ein wenig Licht ins Dunkel dieser Verwirrung zu bringen, hier die Fakten:

  1. Der Ausschnitt des Films zeigt eine  Frau, die – so sieht es jedenfalls aus – während sie durchs Bild läuft, in ein Handy spricht. Sollte dies stimmen, dann wäre die Szene nicht nur ein unglaublicher Anachronismus, sondern eigentlich eine Vision der Zukunft … nicht nur eine Weltwirtschaftskrise hätte es dann schon mal gegeben, sondern auch Menschen, die hektisch auf der Straße in ihre Telefone schreien, wären dann schon seit Jahrzehnten old news.
  2. Die Szene selbst ist zwar aus The Circus, der aus der Feder von Charlie Chaplin stammt und den er auch selbst drehte, aber genau dieser Ausschnitt erscheint nicht im Film, sondern wurde erst im Extra-Material gefunden.
  3. Der erste, dem dies aufgefallen sein soll, ist der Filmemacher George Clarke aus Belfast.

Natürlich gibt es wie bei jedem Video dieser Reihe berechtigte Zweifel: wenn das Material als echt eingestuft werden kann, dann muss die Beurteilung der Bilder nicht unbedingt zum Schluss führen, dass wir hier jemanden sehen, der Jahrzehnte vor der Erfindung des mobilen, schnurrlosen Telefonierens wirklich in einen Hörer spricht. Vielleicht ist es ein Radio, das eine leicht verwirrte ältere Dame nicht zum Hören, sondern fälschlicher Weise zum Reinsprechen verwendet? Vielleicht handelt es sich auch um ein Hörgerät, obwohl es  auch ein wenig merkwürdig wäre, in seine eigene Hörhilfe zu sprechen … ob es sich aber, wie vom irischen Filmemacher Clarke vermutet, um eine Zeitreisende handelt, darf natürlich gern bezweifelt werden. Denn ebenso wie bei den UFO-Videos kann auch dieses Filmchen per Videoschnitt fingiert worden sein, perfekt am Computer hergestellte Realität … oder was glaubt Ihr: Fake or not?