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Fake or Not 9: Say Yes, Men!

Fake or Not 9: Say Yes, Men!

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Der gemeinsame Nenner dieser kleinen Serie, die sich für manche mit eindeutigen, visuellen Betrügereien beschäftigt, die für andere wiederum als Sensationsbelege für bislang Ungesehenes oder sogar Unterdrücktes bewertet werden, war, dass das Material von einer Quelle stammt. Diese ist dann entweder eindeutig identifizierbar und gibt sich stolz als Entdecker eines vermeintlichen Scoops wie beim Handy im Chaplin-Film oder auch bei einem Teil der UFO-Berichte. Oder aber sie verbleibt als mysteriöser, unerkannter Informant im Hintergrund bzw. erscheint als alleiniger Vermittler von Szenen mit Sprengkraft und suggeriert dadurch, dass es bei der Brisanz des veröffentlichten Materials vielleicht besser ist, sich der Öffentlichkeit selbst nur per YouTube-Alias vorzustellen. So oder so: Auch unter Pseudonym hochgeladene Videos bei Videoplattformen lassen sich auf irgendeine Person zurückführen, die entweder als Entdecker oder vielleicht sogar als Produzent mit dem Videomaterial online hausieren geht.


12times 480 Fake or Not 9: Say Yes, Men!Ein wenig anders ist der Fall bei dem heutigen Beispiel gelagert. Hier wird die eigentliche Frage, die zum Ausgangspunkt dieser Serie geworden ist: Fake Or Not, ad Absurdum geführt. Denn The Yes Men haben es sich zur Aufgabe gemacht, genau mit dieser Fragestellung zu spielen: die Netzkunst- und Aktivistengruppe betreibt nämlich Kommunikationsguerilla, wobei sich ihre Mitglieder als Repräsentanten internationaler Konzerne oder Institutionen ausgeben und als solche beispielsweise Pressekonferenzen oder TV-Interviews geben. Sie karikieren mit übertriebenen Forderungen oder unrealistischen Ausführungen die eigentliche Ziele der Unternehmen bzw. Institutionen. So traten The Yes Men beispielsweise zum 20. Jahrestages eines der weltweit größten Chemie-Unfälle in Indien als Sprecher des verantwortlichen Unternehmens auf und vermeldeten via BBC, dass sich die Firma zu ihrer Verantwortung bekennen und den Angehörigen sowie Familie eine hohe Entschädigung zukommen lassen würde.

Auch die Öl-Industrie gerät natürlich in den Fokus der Aktivisten. Im Sommer 2007 stellten The Yes Men auf einer Gas- und Öl-Messe das Produkt vivoleum vor, das als Ersatzstoff für fossile Brennstoffe verwendet und dabei aus den Überresten menschlicher Leichen produziert werden sollte. Zitat bei der Präsentation: „Durch mehr fossile Energie wird die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen größer, aber das bedeutet mehr Rohstoff für vivoleum. Öl wird weiterhin für uns fließen, die Übriggebliebenen.“ Auch Medien werden dabei nicht verschont. Im Jahr 2008 verteilten The Yes Men eine gefälschte Ausgabe der New York Times, datiert auf den US-Nationalfeiertag ein Jahr später, dem 4. Juli 2009. In ihrer abgeänderte Version des Flagschiffs der US-Tageszeitungen zeichnen sie das Bild einer beinahe perfekten Welt, in welcher der Irakkrieg beendet, der ehemalige US-Präsident George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt wurde und die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice sich öffentlich für die Lügen zum Krieg im Irak entschuldigt hat. Nach eigenen Angaben wurde dabei 1.2 Millionen Ausgaben gedruckt und unter die Leute gebracht. Ein PDF hiervon findet sich weiterhin im Netz.

Gemeinsam haben UFO-Sichter oder Yeti-Experten, die ihr Material manipulierten, mit den Yes Men also ihren Ansatz, die Öffentlichkeit durch gezielte Falsch-Veröffentlichungen zu verwirren. Bei den Aktionen der Aktivistengruppe gibt es jedoch einen politischen Hintergrund, der einem Fake-Video natürlich fehlt. Aber Manipulation kann eben auch zu gesellschaftlichen Themen eingesetzt werden und gleichzeitig sehr lustig sein – und das über die Frage hinaus, Fake or Not.