Der Harry-Potter-Brickfilm war ein echter Box-Office-Hit – zunächst einmal nur in Wildeshausen. Bald aber vielleicht in ganz Deutschland oder weltweit? Die englische Version des Legofilm-Trailers zu Teil 7.2 von Harry Potter ist ereits abgedreht. Was Mario Baumgartner bei seinem “Director’s cut” beachtet hat, um Spannung und Emotionen zu erzeugen, wie es sich für einen richtigen Kinofilm gehört, erfahrt ihr in Teil 3 des Interviews.
Die Videoschnittgeheimnisse des Director’s cut vom Harry-Potter-Trailer
Auch in Hollywood leisten die Cutter einen wichtigen Beitrag zum Erfolg eines Filmes. Manchmal setzt sich der Meister höchstpersönlich an sein Werk, um einen “Director’s Cut” zu erzeugen. Wie ist das bei Dir?
Ich habe ebenfalls schon darüber nachgedacht, die Trailer noch einmal neu zu schneiden. Denn nach Monaten fällt mir dann doch hier und da etwas auf, was ich beim Dreh/Schnitt nicht so gesehen habe wie heute. Da passt dann eine Szene doch nicht so gut zur nachfolgenden, der eine oder andere Effekt ist veraltet und nicht ganz so homogen in die Szene integriert, hier ist eine Szene zu lang, dort zu kurz, und vielleicht würde das ganze in einer anderen Reihenfolge noch besser wirken.
Ich habe mich dann doch dagegen entschieden, weil ich das/mein „Original“ dann zerstören würde. Es würde meinen damaligen „Erfahrungs-Stand“ zerstören, man könnte keine Entwicklung zwischen den einzelnen Trailern sehen.
Zu dem sind meine Filme ja „Director´s Cut“, denn ich bin Produzent, Regisseur, Animator und Cutter in einer Person.
Gleichzeitig habe ich aus diesem Grund tiefen Respekt vor professionellen Filmteams, in denen das alles auf mehrere Personen aufgeteilt wird. Der Drehbuch-Autor muss schon im Vorfeld wissen, welche Szenen wie erstellt werden könnten und den Rhythmus der Geschichte vorgeben, der Regisseur muss das umsetzen und gleichzeitig mit der FX-Abteilung in Kontakt stehen. Zeitgleich möchte der Komponist vielleicht schon wissen, in welche Richtung das ganze geht, um sich inspirieren zu lassen. Der Cutter muss abschließend alles so zusammenfügen, dass sich ein Gesamtbild ergibt, mit dem der Produzent einverstanden ist…
Wie schneidest du deine Szenen, um Spannung zu erzeugen? Inwieweit ist die Länge einer Szene relevant, inwieweit ist es die Art des Übergangs, inwieweit spielen Zooms eine Rolle?
Der Schnitt ist bei mir immer eine sehr komplizierte und aufwändige Angelegenheit. Er beginnt schon, nachdem ich die Szenen festgelegt habe, die ich verfilmen möchte: Welche Szenen würden wie zusammen passen? Welche Musik habe ich? Wo würde ich einen Rhythmus in der Story finden, wo sind die Höhen, wo die Tiefen? Es ist eine Art Gleichzeitigkeit der verschiedenen Komponenten wie Musik, Effekte, Text, Geräusche und Story.
Wichtig bei diesem Trailer war mir, die Story zu vermitteln, ohne aber zu verraten, wer denn nun stirbt: Harry oder Voldemort?
Um mich zu inspirieren, erstelle ich zuerst einige Musik-Passagen, die mir Ideen geben, wohin und wie weit der Schnitt mich bringen kann.
Bestimmte Szenen wie Explosionen, Kamerafahrten- und Einstellungen eignen sich zum Beispiel sehr gut, um Action aufkommen zu lassen. Doch „nur“ Action wäre nach 20 Sekunden langweilig, daher muss das aufgebrochen werden:
Ruhige Szenen in denen „nichts passiert“, in denen gesprochen wird und die Teile der Story vermitteln, abgewechselt mit harten Schnitten auf Action-Sequenzen, überblendet mit kurzen White-Flashs / Weißblenden reizen dann das Auge, die Geräusche, Musik und Effekte tun ihr Übriges, um den Zuschauer mitzureißen.
Wenn eine Action-Sequenz gerade zum Höhepunkt zu kommen scheint, wenn die Szenen durch Feuer/Explosionen sehr hell werden, kann man mit einem Schlag und hartem Schnitt auf eine absolut ruhige und dunklere Szene wechseln, so dass der Zuschauer emotional von ganz oben nach ganz unten fällt. Hier hilft wieder die ruhigere Musik und der plötzliche Wegfall von lauten Geräuschen.
Diese Szenen muss ich eben vorher wissen und finden, ohne mich aber schon darauf festlegen zu müssen und wollen.
Eine weitere Technik, die ich gerne anwende und angewendet habe, ist die plötzliche Unterbrechung einer Unterhaltung/Szene mit ganz kurzen Ausschnitten anderer Action-Sequenzen, die aber mit der aktuellen Handlung eher weniger zu tun haben. Hier im aktuellen HP 7.2 Trailer zum Beispiel zu sehen in der Unterhaltung zwischen Harry und Malfoy, die vom Ritt der Zentauren unterbrochen wird, der allein schon durch das Geräusch der Hufe die Szene aufbricht. So wird auch eine Effekt-mäßig ruhigere Szene einfach interessanter.
Auch der Übergang einer Szene mit bestimmten Text-Phrasen zur nächsten ist enorm wichtig, um dem Zuschauer dann einen Zusammenhang beider Szenen zu vermitteln. So ist z.B. die Frage von Malfoy „Wie viele Unschuldige willst Du noch opfern?“ direkt vor eine Schlacht/Kampfszene gesetzt worden. Nun kann der Zuschauer einen Story-Zusammenhang erkennen, ohne einfach bloß bunte Bilder gucken zu müssen – und er kann sich ein bisschen „Kopfkino“ gönnen.
Kopfkino ist eine sehr interessante Sache, die man auch mit dem Fokussieren bestimmter Gegenstände erreicht, und dann per Fokus-Zoom aus dem eher uninteressanteren Bildbereich in das Handlungsgeschehen leitet. Der Zuschauer sieht dadurch etwas mehr von der Szenerie, dem Set, der räumlichen Tiefe und erhält so einen epischen Eindruck.
Diese ganzen Szenen laufen in meinem Kopf während des Figuren-Animierens ab, ich kann mir Gedanken zur Reihenfolge machen, zur weiteren Musik, welche Effekte dann zu welchem Übergang in andere Szenen passen, welche Geräusche passen würden. Zu guter Letzt füge ich diese Szenen nur noch zusammen, da sich die Zeit über für mich eine „logische“ Reihenfolge entwickelt hat. Im finalen Schnitt passe ich einzelne Szenen noch der Musik an, da das schon Bild-genau passen muss. Bei verschiedenen Musik-Themes in einem Video ist das natürlich einfacher.
Vielen Dank fürs Gespräch und bis zum nächsten Mal
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