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Legofilme übers Glück: Bericht vom Brickfilm-Festival Steinerei 2010

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Lego in Kuchenform - auch beim Backen beweisen die Brickfilmer viel Phantasie

Dass man mit Legofiguren und Video-Bearbeitungs-Programm ausgerüstet nicht nur Action- und Fun-Filme drehen kann, zeigt der Gastbeitrag von Mario Baumgartner, einem ganz Großen der Brickfilm-Szene. Auch Legofilme können zu Tränen rühren – überhaupt, so schildert Mario in seinem Report plastisch, ist das Festival für alle Teilnehmer ein Wechselbad der Gefühle. Was unser Gastautor, bereits aus einem Interview den MAGIX Magazin-Lesern bekannt, so alles erlebt hat, und mehr über die besten Filme und Stars der Brickfilm-Szene erfahrt ihr in seinem Artikel.

Am 10. Juli 2010 war es wieder so weit, die sechste  Steinerei fand zum zweiten Mal in Hildesheim an der Uni statt. Mit 12 FPS im Gepäck machte ich mich um acht Uhr auf dem Weg. Am Flugplatz Hannover holte ich noch schnell Golego ab, um dann mit den anderen Brickfilmern um die Ziegelsteine zu kämpfen. Boony&2XMW, Böttcherpoductions und Golego haben letztendlich die Steine abgeräumt.
Ihr habt wahrscheinlich nichts von dem verstanden, darum nun alles der Reihe nach.

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Gastautor und Brickfilmer Mario Baumgartner sowie Oliver Berger alias OliAG

Die Steinerei ist ein Film-Wettbewerb, in dem ausschließlich Brickfilme zu sehen sind. Das sind Filme, die mit Lego ® -Steinen oder ähnlichen Klicksteinen hergestellt werden, vornehmlich im Stop-Motion-Verfahren.  Sie entstand der Online-Community des brickboard, einem Forum, in dem sich die Brickfilmer das Jahr über treffen.
Ich bin einer dieser Brickfilmer. Einer von vielen.
Und ja, wir ringen um einen Ziegelstein, genauer gesagt um drei Ziegelsteine. Das sind nämlich die Preise, die man mit seinen Beiträgen gewinnen kann, und zwar für den:
Preis der Jury,
Preis der Brickfilmer und
Preis des Publikums.
Und teilnehmen darf natürlich jeder – jeder, der im Brickboard angemeldet ist.
Tja, und “Golego“   sind 2 Brickfilmer aus Stuttgart: Steffen Tröger und Sandra Abele.
12 FPS beschreibt die Anzahl der Bilder, die mein Beitrag pro Sekunde hat.

Mit Legosteinen sein Glück bauen – das Thema des Filmfestivals

Es gibt natürlich auch ein Thema, das verfilmt werden muss/soll. Dieses Jahr war es “Glück”.
Ein Thema, das auf den ersten Blick sehr einfach und lapidar wirkt. Im Nachhinein ist es vielen von uns doch schwerer gefallen, dazu einen Beitrag zu entwickeln. Natürlich will man ja nicht “nur” teilnehmen, sondern vielleicht auch einen Ziegelstein mit nach Hause nehmen.
Ich jedenfalls habe mich sehr schwer mit dem Thema getan. Alles, was ich hatte, waren Story-Ideen, die immer nur auf “Glück gehabt” hinaus liefen. Das war mir zu einfach, die anderen würden da bestimmt kreativere Ideen haben.
Fast ein Jahr hatte ich das Thema und die Steinerei vor mir her geschoben. Ich hatte ja schließlich noch viel Arbeit mit meinen eigenen Projekten, dem Harry Potter Trailer, Tutorials fürs Brickfilmen auf BrickTrick.de, einen eigenen Contest auf Brick-Cinema.com.

Zehn Tage waren mir am Ende verblieben, einen Beitrag zu erstellen. Letztendlich haben sie gereicht. Die Story gefällt mir: melancholisch, lustig, mit tollem Set und nach der Mirko-Formel gedreht, habe ich das letzte Jahr aus meinem Leben verfilmt, leicht abgewandelt natürlich.
Für meinen Beitrag konnte ich zum Glück für den musikalischen Bereich auf die MAGIX Soundpool DVDs zurück greifen, besser und einfacher geht es einfach nicht.

Die Steinerei bietet den Brickfilmern neben dem Contest natürlich noch mehr. Vor und nach dem Wettbewerb werden Erfahrungen, Tipps und Tricks ausgetauscht. Getauscht wurden auf dieser Steinerei auch Legosteine Denn man hat entweder nicht genügend Steine, oder nicht die, die man haben möchte.

Leider wurde die Steinerei von der außergewöhnlichen Leistung der deutschen Fußballmannschaft überschattet. So fanden sich leider weniger Zuschauer im Audimax der Uni in Hildesheim ein, als zuvor. Auch das sehr warme Wetter tat sein übriges.

Spontan hat ein AFOL (ein sogenannter erwachsener LEGO®-Fan, Adult Fan Of Lego) seine elektrisch betriebenen Kirmes-Sets ausgestellt. Solche Modelle grenzen teilweise an architektonische Wunder.

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Auch als Modell riesig: das Lego-Riesenrad auf dem Brickfilm-Festival Steinerei

Das Orga-Team hat sich wieder viel Mühe gemacht: Programmhefte, Kuchen in Legostein-Form, eine DVD mit allen im Wettbewerb stehenden Filmen.
Das macht gleich viel mehr Spaß, denn es steht eben nicht nur der Wettbewerb als solcher im Vordergrund. Nein, man trifft andere Leute, die alle eines gemeinsam haben, das Brickfilmen.
Wird man das Jahr über von anderen belächelt oder für “verrückt” erklärt, ist man hier wie in einer Familie zusammen. Übrigens haben Brickfilmer kein bestimmtes Alter. Von jung bis alt ist alles dabei. Und die Konkurrenz bzw. das Niveau mancher junger Brickfilmer ist sehr hoch.

Im Audimax sitzen Brickfilmer und Zuschauer gemischt in den Reihen vor der großen Leinwand.
Gemeinsam schaut man gespannt die verschiedenen Beiträge, ohne sich großartig abkapseln zu müssen. Das schafft dazu auch Kontaktmöglichkeiten von Zuschauern und Brickfilmern.

Dr. Matthias Mertens, von allen eigentlich nur liebevoll “Mert“  genannt, stellt, wie gewohnt, gekonnt die verschieden Beiträge und die Jury vor. Mert ist eigentlich der Erfinder der Steinerei, ihm ist das jährliche reale Treffen der Brickfilmer zu verdanken. Welche Online-Community kann schon von sich behaupten, sich auch im realen Leben zu treffen? Und dieses von ihm eigentlich als Experiment gestartete Event funktioniert.

Großes Kino mit Emotionen und ein Wechselbad der Gefühle – die besten Filme der Steinerei

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Gewinner und Teilnehmer der Steinerei, des Oscar-Wettbewerbs für Brickfilme

Endlich werden nun die Filme gezeigt. Vor jedem Film erzählt Mert eine kleine Anekdote, und dann geht’s los. Ab diesem Zeitpunkt teilen sich bei mir und wie wohl bei den meisten anderen Filmern auch, die Gefühle. Einerseits schaut man sich die vielen schönen Brickfilme an, bewundert die Animationen, lacht und staunt gleichzeitig. Andererseits beobachtet man genau, welcher Film einem selbst zur Konkurrenz werden kann. Natürlich hat man auch hier so seine Favoriten: Brickfilmer von denen man weiß, dass sie alljährlich sehr sehr gute Ergebnisse abliefern. Was haben die anderen aus dem gegebenen Thema gemacht? Haben sie bessere Animationen? Bessere Sets? Eine bessere Story?
Und wie bewertet die Jury? Worauf achtet sie, was mag sie, was nicht?

Nun, ich für meinen Teil bin ja eher der FX-Mensch. Ich liebe es, mit Effekten zu arbeiten. Bluescreen, Explosionen, Wetter-Animationen, Wasser, digitale Seterweiterung – alles was das FX-Herz begehrt. Aus den Erfahrungen vorheriger Wettbewerbe ist klar geworden, dass so etwas bei der Jury nicht so toll ankommt. Also hatte ich ganz nach der von mir aufgestellten “Mirko-Formel” auf den Einsatz von Effekten verzichtet. Naja, fast jedenfalls.

Und dann das:
Nach dem ersten Beitrag wurden von der Jury die dort eingesetzten FX bewundert. Nein, nein, nein, das kann nicht sein… Egal. In 10 Tagen die ich hatte, hätte ich eh´ nichts Großartiges an FX erstellen können. Jedenfalls nichts was meinen Ansprüchen dann genügt hätte.
Aber diese Gedanken verfliegen schnell wieder:
Auf BrickTrick.de habe ich aus den MAGIX Soundpool DVDs erstellte Musik zum Download für Brickfilmer bereit gestellt. Und diese wurde in anderen Beiträgen genutzt, was mich natürlich wiederum stolz macht.
Und endlich war dann der eigene Beitrag dran. Der Puls ging augenblicklich mit dem Adrenalinausstoß zusammen in die Höhe. Wie kommt der Film an? Sitzen die Gags? Wird gelacht, wo gelacht werden soll? Wie kommt die Bildqualität rüber? Wie der Sound? Ok, es rauschte ein wenig.
Aber die Gags passten. Die Einlage von Steffen Tröger (Golego) war einfach perfekt.
Golego?

Ja, richtig, die meisten Brickfilmer helfen sich gegenseitig aus. Meist werden Stimmen gebraucht, manchmal Effekte, manchmal Musik. Dieses Beispiel zeigt eigentlich am deutlichsten, dass der Spaß im Vordergrund steht, nicht unbedingt das “Gewinnen”. Obwohl… So einen Ziegelstein hätte ich ja schon gerne…
Pause.
Zeit um sich wieder mit den Kollegen zu unterhalten, Bilder zu machen und Videos zu drehen.
So gleich wurde ich auf meinen Beitrag angesprochen:
“Keine Effekte dieses mal?”,  “Schöner Film, hast Du, Steffen, wirklich um drei Uhr nachts angerufen?”, “Wie viele Leute hast Du denn angerufen?”
Und dann ging´s auf in die zweite Halbzeit. Ja, ich muss sagen, dass die Filme durchweg sehr schön waren. Und erwartungsgemäß haben die Titelverteidiger der letzten Steinerei einen absolut guten Film hingelegt. Da blieb nicht nur mir, nein, dem ganzen Saal erstmal die Luft weg. Denn wer glaubt, dass man mit genoppten Plastikspielzeug keine Emotionen und Gefühle erzeugen kann, der wurde durch Boony&2XMW´s “Was siehst Du?” eines besseren belehrt. Und zu Recht ist dieser Film die Nummer Eins geworden. Golegos Gemeinschaftsprojekt mit “Nichtgedreht”  mit dem Titel Zombie Bank ist ebenfalls erste Sahne und konnte auch einen ersten Platz verbuchen. Wie hier mit den aktuellen politischen Problemen gespielt wurde, war sehr amüsant. Denn wer weiß schon, dass an der Immobilien-Blase der “Sündenhamster” die Fäden in der Hand hielt?
“Hast Du mal ´n Euro oder einen Hedge-Font für mich”?

Nun durfte das Publikum über den Publikumspreis entscheiden, die Brickfilmer wählten noch einmal separat untereinander den Preis der Brickfilmer aus. Denn, ja, so ist das eben: Wenn man etwas tiefer in der Materie ist, schaut man auf ganz andere Dinge als z.B. die Jury oder das Publikum. Die Jury wählte selbstredend ebenfalls ihren Sieger.
Ich konnte mit meinem Beitrag “Auf der Suche nach Glück” “nur” den dritten Platz der Brickfilmer erreichen.

Böttcherproduction erzielte mit “Alpenglühen” Platz 1.  Ja, zugegeben, ich hatte mir insgeheim mehr erhofft. Einen der drei Ziegelsteine hätte ich natürlich gerne gehabt, aber ich bin zum Glück kein Kind der Traurigkeit. Es mag sich zwar immer blöd anhören, aber für mich ist der Event als solcher mehr Wert als zu gewinnen.  Was nicht heißt dass ich doch ein bisschen enttäuscht war. Aber  nun ging es wie für die meisten Brickfilmer zum schönsten Teil über, der After-Party. Da saßen wir gemeinsam beim Essen und Trinken zusammen, da ging es dann ums Eingemachte. Wie macht man was am besten, welche Kamera, welche Software, welches ist die beste Art zu animieren? Das konnte schon immer ein paar Stunden dauern.

Leider verkündete Mert seinen Rückzug aus dem Showbusiness “Steinerei”. Auch wenn unter uns ein ständiges Kommen und Gehen ist, so schmerzt der Verlust doch sehr. Das ist leider so, wenn einer von den “Alten” geht. Was nun genau aus den nächsten Steinereien wird, ist noch ungewiss, doch ist Mert voller Zuversicht, dass die Steinerei auch ohne ihn funktioniert.

Preis der Jury:
Boony & 2XMW mit “Was siehst Du?
Preis der Brickfilmer:
Golego & Nichtgedreht mit “Zombie Bank
Preis des Publikums:
Böttcherproductions mit “Alpenglühen

www.steinerei.de
www.brickboard.de
www.bricktrick.de
www.brick-potter.de
www.golego.de