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Ohne Gewähr: Gesetzesbrecher durch Tumblr?

Ohne Gewähr: Gesetzesbrecher durch Tumblr?

Die folgenden Informationen stellen weder eine rechtliche Beratung dar, noch ersetzen sie eine solche. Die Absicht hinter dem folgenden Text und unserer neuen Serie zu juristischen Fragen, die wir bezeichnenderweise “Ohne Gewähr” genannt haben, ist rein informeller Natur. Wir geben für den Inhalt keinerlei Garantie und lehnen jedwege Haftbarkeit ab. Das Nutzen der unten dargelegten Informationen passiert auf eigenes Risiko. Zudem möchten wir darauf hinweisen, dass Gesetze und die allgemein juristische Situation von Land zu Land unterschiedlich sein können.

Das Internet ändert beständig und rasch unsere Kommunikation und wirft dabei viele juristische Fragen auf, die im Prinzip jeden angehen können. Jeden Monat wollen wir euch im Rahmen dieser Serie ein wenig Input zu relevanten Themen geben. Keine Angst! Wir wollen nichts unnötig komplizieren. Es geht uns aber darum, euch ein paar Tipps zu geben, damit ihr weiterhin diesen großartigen virtuellen Raum, den das Internet darstellt, nutzen könnt.

Unser erster Teil beschäftigt sich mit einer der letzten Entwicklung des Bloggens: Microblogging, welches seine Stärke aus der Unmittelbarkeit der genutzten Inhalte bezieht und durch einfache, schnelle sowie unmittelbare Nutzung besticht. Wenn Twitter mit seinen 140-Zeichen Nachrichten der Türöffner einer Form des Microbloggens war, dann ist Tumblr heute definitiv die Speerspitze dieser Bewegung und hat zudem den Vorteil, ein kinderleichtes Interface sein Eigen zu nennen, mit dem man sich entweder mit dem gesamten Internet verbinden lassen oder nur mit einem kleinen Kreis an “registrierten” Freunden kommunizieren kann. Es erlaubt Nutzern, ihre Ideen, Kreationen oder Schwärmereien mit anderen zu teilen, wann immer sie dies tun möchten und durch nur einen Klick. Alles dank der sogenannten “Reblog”-Funktion. Wenn der Erfolg von Tumblr bedingt wird durch die Einfachheit, mit der Inhalte genutzt und geteilt werden können, dann wirft dieser Sachverhalt natürlich auch juristische Fragen auf, die langfristig die Ausweitung dieses Netzwerkes einschränken könnte, da die meisten Nutzer dort auf Inhalte zurückgreifen, deren Rechte sie nicht besitzen.

Oder habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass ihr durch das Klicken der “Reblog”-Funktion in Tumblr etwas Illegales macht? Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr auf Grund der Gif-Datei, die einem Star Wars Filmclip entnommen wurde und die ihr so stolz auf eurer Tumblr-Wall gepostet habt, von Disney Anwälten kontaktiert werden könnt, da ihr gegen Urheberrechte verstoßt? Eine kleine Einführung in die rechtlichen Rahmenbedingungen auf diesem Gebiet scheint notwendig. Das Gesetz – und es spielt dabei keine Rolle, ob wir über Common Law oder die kontinentaleuropäische Rechtstradition sprechen – ist grundlegend immer gleich: Es präsentiert explizit den Inhaber der Rechte einer bestimmten Arbeit bzw. eines Werkes (den “Urheber”, welcher der ursprüngliche Erschaffer, ein Label, eine Produktionsgesellschaft, etc. sein kann) und gibt ihm die Befugnis, das Werk zu kopieren, zu verbreiten und Derivate herzustellen, wie er es für richtig und profitabel hält. Die logische Konsequenz: jede Person, die ein Werk verwerten, verbreiten oder reproduzieren möchte, an dem sie nicht die erforderlichen Rechte hält, operiert erst einmal illegal. Hast du aber den Inhaber der Rechte von dem Bild, das du eben gerebloggt hast, auch gefragt? Oder den Inhaber des Films, von dem du eben ein animiertes Gif gemacht hast und auf Tumblr gepostet hast?

Viele denken, dass ein solches Handeln in der Praxis mit dem Hinweis auf die Quelle in Ordnung sei. Auf Tumblr angewandt, gibt es wenigstens drei Schwierigkeiten mit dieser Haltung: Erstens reicht es vor dem Gesetz nicht aus, schlicht die Quelle zu nennen. Es bedarf grundsätzlich einer Zustimmung seitens des Urhebers. Zwar darf man unter bestimmten Umständen auch ohne eine solche Zustimmung ein Werk nutzen (z. B. zitieren). Doch selbst wenn man den Anforderungen an ein Zitat zweitens genügen würde, wie könnte jemand die Quelle eines Bildes mit Sicherheit bestimmen, wenn dieses tausendfach gerebloggt wird? Und drittens kann jeder so viel zitieren, wie er möchte – wenn ein Bild, das ursprünglich illegal auf Tumblr hochgeladen wurde, gerebloggt wird, verletzt jeder Reblogger ebenso die Urheberrechte wie derjenige, der es zuerst hochgeladen hat.

Das Gesetz gestattet allerdings in bestimmten Fällen die Nutzung auch ohne Zustimmung des Rechteinhabers: beispielsweise gibt es die “Kurzzitat”-Ausnahme im französischen Gesetz oder das “Fair Use” im amerikanischen Recht … Lasst uns den letzten Punkt ein wenig genauer anschauen. Die “Fair Use”-Doktrin erlaubt es, die Exklusivität eines Copyrights zu umgehen – so lange das Nutzen eines Werkes als “fair” eingeschätzt werden kann. Fairness kann festgestellt werden, wenn verschiedene Kriterien eingehalten werden (der Zweck und das Wesen der Nutzung, der Charakter des rechtlich geschützten Materials, der Umfang und die Wesentlichkeit des genutzten Abschnitt, etc.). Für amerikanische Anwälte und Wissenschaftler strapaziert Tumblr mehr als jede andere Online-Plattform vor ihr die “Fair Use”-Doktrin. Erstens weil die Inhalte dort als “naturgemäß kommerziell” eingeschätzt werden, da Tumblr eine kommerzielle Webseite ist: und wenn diese Einschätzung zur generellen Regel würde, hätte Tumblr echte Schwierigkeiten, unter der “Fair Use”-Doktrin geschützt zu werden. Zweitens wird Tumblr immer größer und sucht nach Möglichkeiten, sich zu finanzieren – meist durch Werbung: wenn aber Tumblr und seine Nutzer anfangen, durch Anzeigen, die neben rechtlich-geschützten Inhalten platziert sind, Umsätze zu genieren, dann werden die “Anwälte über Tumblr und seine Nutzer herfallen wie Löwen über eine verletzte Antilope” (Jim Edwards).

Tumblr steckt in diesem sensiblen rechtlichen Niemandsland irgendwo fest zwischen der Notwendigkeit, Inhalte und Werke so oft wie möglich und mit so vielen wie möglich zu teilen und gleichzeitig finanzielle Vergütung für diesen Service zu erhalten. Auf die Frage: “Wie kann ich meine Projekte auf Tumblr schützen?” gibt die Suchmaschine “wiki answers” entsprechend die kristallklare Antwort: “Das kannst du nicht”. Dennoch möchten wir euch zum Abschluss hier noch ein paar Hinweise anbieten, wie sowohl eigene Inhalte als auch der Nutzer selbst geschützt werden können.

Deine Kreationen

  • Creative Commons Lizenzen (CC): Creative Commons ist eine non-profit Organisation, die eine Alternative zum “Alle Rechte Vorbehalten”-Urheberrecht bietet. Inspiriert durch die Open Source-Lizenzen ist es das Ziel dieser Organisation, kreative Arbeit von einigen restriktiven Gesetzen zu befreien und somit Kreativität sowie das Teilen und die Verbreitung kreativer Arbeit zu fördern. CC arbeitet beispielsweise mit Soundcloud oder Picassa zusammen. Diese speziellen Lizenzen gelten nur dann, wenn der Nutzer alle Rechte eines Werkes selbst hält (man braucht nicht einmal im Ansatz darüber nachzudenken, das animierte Gif aus Star Wars (um bei unserem Beispiel zu bleiben) so zu schützen oder sich darüber zu beschweren, dass es ohne eigene Autorisation irgendwo auf Tumblr erneut genutzt wurde).
  • Den Namen auf dem eigenen Blog und der eigenen Arbeit nennen: Es hört sich vielleicht trivial an, aber es ist die beste Art und Weise, seine eigene Arbeit zu schützen. Drei Vorteile ergeben sich: Erstens muss Tumblr unter dem “Digital Millennium Copyright Act” Bilder oder andere Inhalte entfernen, die die IP Rechte auf Hinweis des Rechteinhabers umgehen. Zweitens, je häufiger beispielsweise ein Bild geteilt wird, desto häufiger ist auch der eigene Namen zu sehen und drittens ist so die Quelle weiterhin deutlich erkennbar.

Rebloggen

  • Zitier die Quelle: Es bleibt bei dem, was wir zuvor geschrieben haben: das reicht nicht aus! Es ist aber trotzdem ratsam und unabdingbar, wenn ihr euch beispielsweise auf Ausnahmen wie die “Fair Use”-Doktrin berufen wollt. Darüber hinaus zeigt ihr euren guten Willen und die Zustimmung der legalen Prinzipien des Teilens auf Tumblr, wodurch sich rechtlich aber nichts ändert Darüber hinaus ist es schlau, seine Unterstützung in diesen Dinge zu zeigen und so auch seine Wertschätzung des Künstlers kundzutun.
  • Verwendet spezifische Webseiten: Es bedarf nur einer Google-Suche, um einfach rechtlich unbedenkliches Material zu finden. Nutzt beispielsweise CC-Seiten wie Soundcloud, Flickr, Picasa. Aber aufgepasst: Nur weil Inhalte mit CC-Lizenz bereitgestellt werden, heißt das noch lange nicht, dass diese auch einfach frei genutzt werden können. Es gibt hierbei einerseits spezifische Konditionen (wie beispielsweise den Namen des Machers zu zitieren oder die eigene Arbeit unter den gleichen Fristen und Konditionen zu lizenzieren) und andererseits gibt es sehr viele verschiedene CC-Lizenzen. Ihr solltet euch also versichern, dass die Bedingungen eingehalten werden. Einen Überblick über verschiedene CC-Lizenzen findet sich hier: www.creativecommons.org

Quellen
Wall Street Journal, „A Guide to Happy (and Legal) Tumblr-ing“, Luke O’Neil, May 21, 2011
Lexology.com, „Copyright issues involving content sharing websites reach federal court: Perfect 10 sues Tumblr for copyright infringement“, Sarah L. Bruno and Luna M. Samman, May 24 2012
Photo District News, „Copyright Claim Against Tumblr May Test Immunity of Photo Sharing Sites“, David Walker, May 08, 2012
Legal Zoom, „Copyright Issues When You Re-Blog Someone in Tumblr“, Michael Butler
Pandodaily, „You Might Be Breaking the Law, and Tumblr Might Pay the Price“, Philip Bump, May 7, 2012
CBS, „Why Tumblr Must Kill What Made It Big: Porn and Copyright Violations“, Jim Edwards, September 12, 2011

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