News, Stories & Inspiration zu unserer Multimedia-Software

Tipps vom TV-Profi fürs Urlaubsvideo: Interview mit Jürgen Drensek

TV Profitipps Videobearbeitung Meer Drensek 300x205 Tipps vom TV Profi fürs Urlaubsvideo: Interview mit Jürgen Drensek

Arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: TV-Profi Jürgen Drensek plaudert aus dem Nähkästchen der Videobearbeitung

Der Urlaub war richtig erholsam, und man hat viele spannende Dinge erlebt. Doch das Urlaubsvideo verbreitet im Grunde nur gähnende Langeweile und die Zuseher fragen sich, warum sie sich das ansehen sollen. TV-Produzent Jürgen Drensek, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten und Jury-Chef des Columbus-TV-Wettbewerbs für Reisefilme, bekannt durch zahlreiche, auch preisgekrönte, Reisereportagen in ARD und ZDF, verrät ein paar Tricks, wie man mit seinem Reisebericht die Zuschauer fesseln kann.

TV-Profi Jürgen Drensek: Darauf muss man bei der Videobearbeitung des Urlaubsfilmes achten

Bevor man sich mit dem Reise-Equipment beschäftigt: Gibt es etwas, was der Hobby-Urlaubsfilmer bereits vor dem Dreh beachten sollte?

Jürgen Drensek: Vor allem sollte man sich vorher Gedanken machen, was man als Endprodukt haben möchte: eine schräge, witzige Collage aus netten Erlebnissen, die bewusst “rough” gefilmt wird, und wo die Einzelsegmente hinterher durch Post-Production-Effekte eine flotte Dramaturgie bekommen? Oder doch ein ambitionierterer Kurzfilm, der sich ein wenig an die Machart professioneller Features anlehnt? Im ersten Fall ist eines wichtiger als alles andere, dass die Kamera immer dabei und einsatzbereit ist. Da bieten sich sogar das IPhone 4 oder die Handycams der Flip-Klasse an! Bei einem semiprofessionellen Ansatz gibt es nach oben nur die Grenze des Geldbeutels. Wesentlich für die Kaufentscheidung sind Objektivqualität, Lichtstärke und guter LCD-Monitor zur Bildkontrolle auch im Sonnenschein.  Zu viel technischer Schnickschnack irritiert nur. Und vieles macht man besser in der Post-Production.
Aber wenn die Frage der Hardware geklärt ist, sollte man eben vor allem zur eigenen “Einnordung” vorher Stil und Storyboard für sich klären. Das hilft ungemein, sich dann vor Ort nicht zu verzetteln.

Ein Problem bei vielen Reisevideos ist, dass sie statisch wirken, sich im Grunde nicht viel von Fotos unterscheiden. Welche Herangehensweise empfiehlst du beim Drehen?

Auf keinen Fall sollte man aber den anderen Fehler machen, und die Bilder dauernd in Bewegung haben. Diese schwindelerregenden, oft unmotivierten Zooms und Schwenks sind noch schlimmer, als ruhige Bilder. Die wichtigste Regel: immer Anfangs- und Endpunkt einer Bewegung vorher testen, damit Zoom oder Schwenk nicht im Ungefähren aufhören. Beim Schwenken folgen Sie lieber einem Führungsobjekt. Dann wirkt das Bild automatisch ruhiger und eleganter. Beim Zoom sollten Anfang und Ende jeweils tolle Bildkadrierungen haben; also eigenständige Motive sein. Bei all den kleinen Kameras ist man, wegen ihrer Neigung zu verwackeln, immer im Weitwinkel auf der sicheren Seite. Die Lösung bei Stills eines Objekts: machen Sie viele aus unterschiedlichsten, auch ungewöhnlichen Perspektiven. Dann kann man hinterher flott montieren, und es wirkt nicht langweilig.

Sehenswürdigkeiten sind eine tolle Sache, wenn man sie in natura anschaut. Wie lässt sich der Zauber von bekannten Bauwerken auch für den Zuschauer einfangen?

“Totes Material” ist immer eine Herausforderung. Wir Profis versuchen, zu vermenschlichen. Suchen uns einen Protagonisten, dem wir folgen. Aber das ist auch ein guter Ansatz für das Homevideo: warum sich nicht mal selbst als kecker Reiseführer versuchen? Bei den meisten Kameras lassen sich die Sucher nach vorn klappen, so dass man sich am ausgestreckten Arm selber filmen kann. Oder den Kindern kleine Fangfragen zum Bauwerk stellen, zu denen sie dann oft komisch-charmante Erklärungen liefern. Oder vielleicht anderen Besuchern in der Art der versteckten Kamera auflauern (zum Beispiel, wenn sie verzweifelt versuchen, den Kölner Dom komplett zu fotografieren… oder die anrührenden kleinen Dramen bei der Aufstellung zum Gruppenfoto…)

Videobearbeitung mit TV Profi Juergen Drensek 200x300 Tipps vom TV Profi fürs Urlaubsvideo: Interview mit Jürgen Drensek

Tipp von Jürgen Drensek: Bei der Videobearbeitung hart gegen sich selbst sein. Faustregel: nicht mehr als 20 Prozent des Gedrehten kommt in den Film...

Ist das Video erst einmal gedreht, ist es ja längst noch nicht fertig. Welche Tricks gibt es beim Schnitt in der Videobearbeitung, die man beachten sollte?

Das Wichtigste: man muss ein wohliges Gefühl zum Programm entwickeln. Das Schneiden soll ja kein Kampf gegen die Technik werden. Da hat zum Beispiel Magix auch gerade für Einsteiger einen schönen, logisch wirkenden Arbeitsflow. Das Wichtigste aber: hart gegen sich selbst sein. Faustregel: nicht mehr als 20 Prozent des Gedrehten kommt in den Film… Gehen Sie bis an die Schmerzgrenze bei der Auswahl der guten Szenen. Weniger ist wirklich mehr. Und Zuschauer sind gnadenlos bei Langeweile.
Also: nach dem Sichten grobes Storyboard auf einem Zettel, was Sie erzählen wollen und dann brutales Aussortieren der überflüssigen Szenen. Anordnen auf der Timeline und weiteres Eindampfen mit Wechsel von ruhigen und dynamischen Blöcken, bis man an den Feinschnitt geht.

Wie sparsam oder reichhaltig sollte man Effekte einsetzen?

Faustregel: der Effekt muss immer eine gewünschte Wirkung haben und darf nie Selbstzweck sein, weil man mal alles ausprobieren möchte. Oft sind Effekte eine gute Notlösung, wenn Szenen sich sonst nur schlecht aneinander montieren ließen. Oder eben beim kantigen Kurzfilm im YouTube Stil, wo man solitäre Einzelerlebnisse elegant mit aufwändigen Überleitungseffekten zusammenschweißt. Aber auch hier gilt: finden Sie Ihren Stil. Es muss nicht immer der wild durch die Gegend kugelnde 3D-Effekt sein. George Lucas hat im Krieg der Sterne fast nur weiche Wischblenden gemacht. Absolut genial. Die Zuschauer sollen nicht hinterher über die Effekte reden, sondern über Ihren Film.

Wie ist es mit der Musik. Wie schätzt du deren Wirkung ein, wie nutzt du sie in deinen Reportagen?

Wenn ich einen TV-Film produziere, bin ich natürlich in der wunderbaren Lage, jede Musik verwenden zu können, die es gibt. Wenn man seinen eigenen Film auf YouTube hochladen möchte, sollte man da wegen der Nutzungsrechte vorsichtig sein, damit es keine böse und teure Überraschung gibt. So lange man nur privat vorführt daheim, ist man natürlich auch komplett frei. Vocals sind im Film eigentlich verpönt; es sei denn, sie haben einen dramaturgischen Zweck. Instrumentals genau zur Stimmung wählen. Schneller Rhythmus erfordert flotte Schnittfolgen. Oft eignen sich deshalb besser elegische Melodien oder Lounge Beats. Sehr viel Spaß macht es auch, einfach mal mit dem Music Maker minimalistische Sphären selbst zu basteln. Gerade dann, wenn man hinterher noch ein Voice Over plant, und die Musik eigentlich nur die Funktion hat, eine Stimmung zu verstärken.

Jürgen Drensek hat übrigens gerade ein neues Internet-Projekt gestartet: “Was mit Reisen“. Dort gibt es klassische Radiosendungen und demnächst auch Reisefilme und Diashows.