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Tipps zum Filmen mit Quadrocoptern

Tipps zum Filmen mit Quadrocoptern

Besitzt ihr auch schon einen Quadrocopter oder eine Drohne? Immer häufiger sieht man Menschen mit Fernbedienung und Videobrille, die die kleinen Fluggeräte per Fernbedienung steuern. Die Geräte sind handlich zu transportieren und ermöglichen es, ganz neue Perspektiven zu erschließen. Ob nun die Burgruine von oben oder der Flug über morgendliche Landschaften, über welche zarte Nebelschwaden ziehen: Aus der Vogelperspektive betrachtet, entfalten selbst alltägliche Situationen eine ganz neue Wirkung. Kein Wunder also, dass immer mehr Nutzer sich für den Kauf eines Quadrocopters entscheiden.

Tilman Herberger, Verantwortlicher für die Software-Entwicklung bei MAGIX, ist selbst leidenschaftlicher Videofilmer und schwört seit Jahren auf seine Luftaufnahmen. Seine vielen Reisen haben ihn schon in verschiedene Ecken der Welt verschlagen und stets fängt er die schönsten Landschaften von oben ein. Auf diese Weise entstehen unvergleichliche Videos, wie man sie sonst oft nur in aufwendig produzierten Dokumentationen sieht.

In unserem Interview teilt er seine Filmerfahrung aus 5 Jahren und gibt Tipps zum richtigen Equipment und zur Nachbearbeitung der Videos.

Seit wann machst du Videos mit der Drohne? Damals warst du vermutlich noch ein Pionier im Vergleich zu heute. Was sind die häufigsten Reaktionen, die du von Passanten bekommst?

Fasziniert haben mich selbstgebaute Fluggeräte schon immer – als Teenager habe ich Wasserstoffballons selbst befüllt und als „Mini-Zeppelin“ fliegen lassen. Da kam vor ca. 5 Jahren der erste Quadrocopter von Conrad gerade recht. Nur hatte der noch kein GPS, keinen Kompass und Höhensensor, so dass echtes Fliegen „von Hand“ gefragt war. Jede Windböe trug den Copter schnell weg, da habe ich ihn oft in Panik zu Boden gehen lassen. Auf der Wiese vor meinem Haus liegen noch etliche Propeller-Bruchstücke aus dieser Zeit herum… Passanten versuche ich meist irgendwie einzubinden, zum Beispiel indem ich sie frage, ob sie das Gerät interessiert oder sie mal durch die Videobrille sehen möchten. Dadurch bekomme ich praktisch nur positives Feedback und nette Kontakte. Falls mal jemand Ablehnung signalisiert, halte ich mich natürlich strikt daran und fliege nicht. Da ich es aber mehr auf spannende Landschaften und weniger auf Städte und vielbesuchte Orte abgesehen habe, gibt es da wenig Konfliktpotential. Die Nähe von Flughäfen und öffentliche Veranstaltungen ist natürlich auch Tabu.

Tilman+Phantom

Mit welcher Drohne und Kamera arbeitest du? Welches Equipment hast du immer dabei?

Aktuell fliege ich den DJI Phantom mit einer GoPro3. Das ist mein dritter Copter in den letzten 5 Jahren und ich bin sehr zufrieden damit. Es ist absolut erstaunlich, wie sich die Technik in dieser Zeit verbessert und die Nutzung vereinfacht hat.

Heute kann wirklich jeder interessierte Neuling eine Drohne sicher steuern. Das war früher anders.

Mein derzeitiges Equipment auf Reisen und Wanderungen ist folgendes:

  •  DJI Phantom Quadrocopter
  •  Zenmuse Gimbal (stabilisierte Kameraaufhängung)
  •  GoPro 3 Kamera
  •  Videosender
  •  Fatshark Videobrille für den „Pilotenblick“ während des Fluges
  •  4 Akkus
  •  Windmesser
  •  Ladegeräte, 12V-Auto-Adapter, ein wenig Werkzeug etc…
  •  Dies alles in einem stabilen Transportkoffer.

Auf Wanderungen schnalle ich den Phantom einfach rücklings mit einem Spannband oben auf den Rucksack, so kann man ihn bequem auch auf längeren Wanderungen mitnehmen und hat ihn schnell startbereit.

Und auf jeden Fall sollte man eine Modellflugversicherung haben – denn es kann ja doch mal was schiefgehen, davor ist niemand sicher…

 

Wie sieht die generelle Drehvorbereitung bei dir aus?

Am wichtigsten ist es, den Akku frisch geladen zu haben. Auch dürfen sie nicht zu kalt sein, was in Island beispielsweise eine Herausforderung ist. Denn Akkus unter 10 Grad lassen in ihrer Kapazität drastisch nach und das wäre bei einem Flug über Wasser oder Gletscher schlecht…

Außerdem halte ich es für wichtig, vor dem Start schon eine konkrete Vorstellung von der geplanten Flugroute zu haben. Also z.B. in niedriger Höhe bis zur Gletscherkante, dann senkrecht aufsteigen, 180 Grad Drehung und Rückflug. Sonst verliert man unterwegs schnell den Überblick und ist hinterher enttäuscht, dass die Bilder doch nicht so sensationell geworden sind.

Direkt vor dem Start ist das meine „Checkliste“:

  • Falls nötig: Windmessung: Meiner Erfahrung nach ist der Copter bis ca. 8 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit stabil zu steuern. Das ist schon eine steife Brise von 30 km/h. Bei Sturm fliege ich dann lieber doch nicht.
  • Ebenen Startplatz suchen mit min. 1 Meter Freiraum ringsherum, denn der Copter taumelt unmittelbar beim Start schnell mal ein wenig zur Seite.
  • Dort stelle ich dann meine Startplattform auf, das ist eine kleine Plastik-Box, die auch als Transport-Container dient. Das ist viel besser, als den Copter direkt auf z.B. sandigen oder schlammigen Boden zu stellen.
  • Fernbedienung auf Grundstellung und einschalten
  • Akku einsetzen – die Aufwärmphase des Copters beginnt und wird per LED signalisiert
  • Währenddessen mache ich die Videobrille startklar, Antenne anschrauben, Akku einsetzen etc.
  • Wenn die Status LEDs am Copter signalisieren, dass er initialisiert ist und den GPS Startpunkt gespeichert hat (für Notfall-Rückkehr extrem wichtig!) schalte ich die GoPro ein und starte die Videoaufnahme.
  • Dann geht’s los: Einen Schritt zurücktreten und Vollgas – jetzt steigt der Copter rasant in die Höhe.
  • Bei hoher Windstärke mach ich erst mal eine Drehung auf der Stelle, um zu sehen, ob der Copter in jeder Richtung stabil steht.
  • Nun folgt der eigentlich Flug mit Kontrolle über die Videobrille. Ein Riesen-Spaß!
  • Landen lasse ich den Copter eigentlich nie sondern fange ihn direkt aus der Luft ein. Das ist sicherer, weil bei einer Landung in unebener Landschaft schnell mal die Propeller auf den Boden hacken und beschädigt werden.

Was sind deiner Erfahrung nach die besten Orte, um mit der Drohne zu filmen? Wo hast du die schlechtesten Erfahrungen gemacht?

Für mich persönlich liegt der Reiz darin, ohnehin schon eindrucksvollen Landschaften eine neue Perspektive abzugewinnen. Eben den „Adler-Blick“ aus 100 Meter Höhe auf ein Fluß-Delta, dessen Strukturen man vom Boden kaum erkennt oder einen rasanten Überflug über eine interessante Lava-Formation, die aus der Bewegung heraus viel räumlicher wirkt als nur von einem Punkt aus gefilmt.

Häufig sind gleitende Flüge in niedriger Höhe viel spannender als solche aus großer Höhe. Aber auch schwieriger, weil man leichter versehentlich mit Bäumen, Felsen etc. kollidiert. Enttäuscht wurde ich schon oft von Blicken „senkrecht nach unten“. Diese von Google Earth bekannte Perspektive ist meist nicht so spannend wie ein schräger Blick in der Bewegung.

Da ich ja viel mit der Videobrille fliege, erlebe ich oft eine große Überraschung, wenn ich nach einem längeren Flug dann umdrehe und nun erstmals meine Startposition aus der Luft sehe bzw. suche. Denn oft ist diese kaum zu erkennen – zum Beispiel von einer Position 500 Meter weit auf dem Meer – auf welcher der 5 plötzlich sichtbaren Klippen stehe ich denn nun genau? Wohin sollte ich zurückfliegen? Ein Mensch ist aus dieser Entfernung nicht zu erkennen und ich möchte ja nicht versehentlich zur Nachbar-Klippe fliegen und dann aus Strommangel irgendwo notlanden müssen.

Hier ist eine zweite Person sehr wichtig, die den Copter unabhängig von der Videobrille sieht und mir Steuerinformationen geben kann. Manchmal nutze ich aber auch die GPS gesteuerte Notfall-Rückkehr, besonders wenn der Akkustand schon dem Ende zu geht und keine Zeit mehr für Experimente bleibt.

Bei welchem Wetter erreicht man die besten Aufnahmen? 

Es gibt eigentlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Motive oder schlechte Flugplanung. Natürlich ist eine Abendstimmung mit schönen langen Schatten und warmen Farben der Atmosphäre der Videos sehr dienlich. Bei Mittagssonne muss man an der GoPro eine kleine Sonnenblende anbringen, da sonst Schatten der Propeller das Bild hässlich durchziehen. Für diese gute Idee bin ich meinem Freund Rainer Triebe sehr dankbar!

Verboten sind Flüge bei Regen oder sehr feuchtem Nebel, denn die Elektronik im Copter liegt hinter den Lüftungsschlitzen offen und da wären Fehlfunktionen durch Nässe vorprogrammiert.

Welche Tipps hast du für die Nachbearbeitung der Videos? Wie gehst du zum Beispiel mit Fisheye Effekten um? Was kann man machen, wenn sich der Rotor ins Bild geschummelt hat?

Die Nachbearbeitung der Videos ist aus meiner Sicht genauso wichtig wie ein guter Flug selbst. Aber sie muss nicht lange dauern – dafür gibt es ja MAGIX Fastcut, an dessen Entwicklung ich intensiv mitgearbeitet habe.

Zunächst ist der eigentliche Schnitt zu machen – also das Kürzen eines z.B. 5 Minuten langen Flugs auf 30 Sekunden. Das reicht in der Regel, um die schönsten Szenen zu zeigen, ohne zu langweilen. Ich beginne immer mit einem Auto-Schnitt-Template, sehe mir dann die Auswahl an und verschiebe die Szenen, wo mir das automatisch gewählte Material noch nicht so gefällt.

Farblich lassen sich die GoPro Aufnahmen oft noch mit der Autobelichtung verbessern oder durch eine dezente Kontrast-Anhebung.

Da ich meist mit der mittleren Winkel-Einstellung der GoPro fliege, fällt die Fisheye Horizont-Krümmung nicht ganz so ins Gewicht. Man kann sie mit Fastcut korrigieren, das mache ich aber nicht in jedem Fall.

Einen Effekt wende ich jedoch immer an: Die Videostabilisierung. Denn so ruhig man auch fliegen mag, leichte Wackler und Ruckler gibt es doch in den meisten Luftaufnahmen. Und die werden durch die Videostabilisierung von Fastcut oder Video deluxe vollkommen eliminiert und das resultierende Video gewinnt dadurch enorm an Ruhe und Professionalität.

Wenn die Propeller oben ins Bild kommen, kann man eigentlich nichts dagegen machen, außer einer Ausschnittsverkleinerung. Viel besser ist aber eine gute Flugplanung, denn dieser Effekt passiert ja nur bei starkem Gegenwind oder sehr hohem Tempo in Kamerarichtung, wenn sich der Copter sehr schräg stellt. Dies lässt sich vermeiden, indem man die gewünschte Szene mit der Kamera nach hinten dreht, oder den Blickwinkel der Kamera etwas weiter nach unten senkt. Über die Videobrille ist das ja leicht erkennbar.

Aber mich persönlich stört es gar nicht, wenn ab und zu mal die Propeller zu sehen sind, denn es strahlt irgendwie die Echtheit des Flugs, den Wind und die Atmosphäre aus.

 

Was war dein witzigstes Erlebnis beim Filmen mit der Drohne?

Sehr lustig sahen meine Flugversuche vor ein paar Wochen in Grönland aus – der Copter taumelte durch die Luft wie betrunken. Er stellte sich ohne Steuerkommando extrem schräg, jagte zur Seite, kurvte auf seltsamen Bögen und ich hatte Mühe, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. Für mich war das aber nicht spaßig, denn er wäre mehrmals fast gegen Felsen geprallt.

Die Ursache dafür liegt in der Abweichung des magnetischen Nordens in dieser Region gegenüber dem geographischem (GPS) Norden. Kompass-Chip und GPS senden also verschiedene Daten, wo Norden ist. Damit ist die kleine Steuerung im Copter überfordert und sendet widersprüchliche Steuerinformationen an die Propeller. Selbst mit abgeschaltetem GPS ist der Phantom dort nicht sicher zu beherrschen und daher habe ich dort keine weiteren Flüge gemacht. Ähnliches gilt für Neuseeland, nur nicht so stark, so dass ich dort vorsichtig fliegen konnte.

Autor

Deborah arbeitet seit 2005 bei MAGIX. Während ihres Studiums der Kommunikations- und Filmwissenschaft, hat sie als freie Redakteurin zahlreiche Text- und Videotutorials zu den MAGIX Produkten erstellt. Seit 2012 arbeitet sie als festes Mitglied im Produktmarketing und ist zuständig für Webvideos und den Bildungsbereich.

One comment

  • Ein tolles Interview 🙂
    Mir hat es sehr viel Spaß gemacht Eure Zeilen hier zu lesen. Sogar ein paar wertvolle Tipps habe ich für meine zukünftigen Videos heraus gefiltert. Ich werde den Link zu dieser Seite in meinen Facebook Communitys (DJI uva) teilen.
    Dies schreibt ihnen ein zufriedener Kunde aus Bremen. Ganz zufrieden werde ich dann sein, wenn ich meine Sternkreuzer und fliegende Elfen mit Magix in meine Filmchen unterbringen kann. Aber erst einmal lasse ich Ihre wertvollen Ratschläge auf das nächste Filmmaterial meinerseits wirken. Da ich mit der Materie noch nicht so sehr bekannt bin, Belichtung-Frames usw, habe ich jede Menge tolle Funktionen die ich alle auf meinem Kanal bei YouTube unterbringen möchte.

    Die besten Grüße
    J. Häring

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