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Bei dem aktuellen Harry Potter Trailer kann man wirklich Bauklötze staunen: So professionell wirkt der Trailer für „Harry Potter and the Deathly Hallows“ (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes). Diesmal nicht mit Daniel Radcliffe und Emma Watson, sondern mit gelbgesichtigen, zirka zwei Zentimeter großen Helden in einer noppigen Umgebung: Legofiguren in einer Legowelt.

Der Trailer ist bei Weitem nicht der einzige Film dieser Art. Es gibt eine internationale „Brickfilm“-Szene (Brick = Baustein), an der Mario Baumgartner als Harry-Potter-Spezialist maßgeblich beteiligt ist. Anbei ein Interview über seine besten Tricks und witzigsten Filme.

Wie bringst du die Legofiguren zum Laufen, Kämpfen, Fliegen?
Mithilfe des ältesten Tricks der Filmgeschichte, dem Stop-Motion-Verfahren. Ich bewege eine Figur ein Stückchen, fotografiere es und bewege die Figur dann wieder. Die so entstandenen Einzelbilder füge ich später zu einem Video zusammen. Dabei ergeben 12 Bilder eine Filmsekunde. Am einfachsten kann man sich das wie das „Daumenkino“ vorstellen.
Aufbauend darauf kann man natürlich jede Menge andere Sachen machen und nutzen. Fliegen z.B. funktioniert genau wie im echten Film per Bluebox. Da wird dann der Hintergrund einfach ersetzt. Diesen Hintergrund kann man natürlich wieder selber aus Legosteinen erstellen. Ebenso ist Bullet-Time, der so genannte „Matrix-Effekt“ mit den Figuren möglich. Voraussetzung ist natürlich, dass eine solche Sequenz von vornherein gut geplant und choreographiert ist.

Kennst du außerhalb der Brickfilme Beispiele für die Stop-Motion-Technik?
Die bekanntesten Filme dieser Art sind „King Kong“ und „Jason and the Argonauts“. Das Duell mit den Skeletten ist bis heute ein Meilenstein der Stop-Motion. Ray Harryhausen war der Pionier dieser Film-Art. Auch heute gibt es populäre Beispiele von Stop-Motion-Filmen:
“Wallace & Gromit“ und „Chicken Run“ von Aardman sowie „Corpse Bride“ vonTim Burton. Aus der TV-Werbung sind wohl die Pinguine bekannt, die am Nordpol Süßigkeiten bewerben.
Selbst in den Star-Wars-Filmen wurde damals die Stop-Motion-Technik angewandt:
Die AT-ATs, der Wampa und das Monster in Jabbas Palast wurden so zum Leben erweckt.
Wie lange hast du von der Idee bis zu diesem großartigen Ergebnis gebraucht?
Für diesen Film habe ich 6 Monate gebraucht. Angefangen damit, die Story auf ungefähr 3 Minuten Filmzeit herunter zu brechen, Texte zu schreiben und umzuformulieren, dann das Storyboard und die Set-Gestaltung. Natürlich kommen Animation und Nachbearbeitung mit dem größten Zeitaufwand hinzu.
Ich plane „neben her“ gerade einen etwas längeren Spielfilm mit eigener Fantasy-Story. Doch alleine die Geschichte auszudenken ist schon sehr, sehr zeitaufwändig, da das Ergebnis später doch eher epischen Ausmaßes sein soll. Das ist wohl auch einer der Gründe dafür, warum die Stop-Motion Technik heute so selten eingesetzt wird: Jede Szene muss vorher genau geplant sein. Ein „Nach-Dreh“ ist hier so gut wie unmöglich.

Das Video gibt es ja zweisprachig: Wie hast du die Figuren zum Sprechen gebracht?
Hier konnte ich auf die Hilfe zweier Communities setzen, allen voran jedoch eines befreundeten Brickfilmers, Steffen Troeger. Dieser übernahm gleich mehrere Sprechrollen samt Trailer.
Da die Texte ja vorher fast alle ausgearbeitet waren, ist es möglich, die Figuren zu diesem Text zu bewegen. Legofiguren können ja ihren Mund nicht bewegen, also „sprechen“ sie mit ihrem Körper. Hände, Arme und Beine werden dazu benutzt/bewegt, um dem Zuschauer zu zeigen, wer gerade spricht. Auch sind so bedingte Gefühlsregungen gestaltbar.

Die Musik ist sehr dramatisch und klingt so wie der Soundtrack zum Harry-Potter-Realfilm. Aber eigentlich darf man ja keine geschützten Titel benutzen. Wie hast Du das Problem gelöst?
Das ist in der Tat eines der größten Probleme beim Film. Harry Potter- und Star-Wars–Musik kennt jeder. Und was ist ein solcher Film ohne diese Musik? Das nächste Problem ist das Copyright: Man gibt sich viel Mühe für seinen Film. Settings, Story, Effekte, etc. Letztendlich nutzen viele diese geschützte Musik und ein Großteil des „selbst Gemachten“ ist wieder weg. Und das geht nicht nur Brick- sondern auch Real-Filmern so. Und die Wenigsten können selbst komponieren, geschweige denn sich einen Komponisten leisten.
Hier kommen nun in meinem Trailer lizenzfreie Sound-Loops, z.B. von der MAGIX-Soundpool-DVD-Sammlung ins Spiel. Ich kenne mich mit Musik und Noten nicht aus, aber ich kann hören. Und lizenzfreie Samples eröffnen mir eine Welt, zu der ich sonst keinen Zugang hätte. Mit ihnen kann man ganz einfach aus Tausenden Samples seinen eigenen Score zusammenstellen. Die Loops kann man so kombinieren, wie man es braucht. Ein Clip hört sich auf diese Weise nicht wie der andere an. Loop-Sequenzer wie der Musik Maker machen es mir da sehr leicht, man kann seinen fertigen Clip importieren und dann framegenau die Musik dazu erstellen.
Somit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Musik, die lizenzfrei ist und sich absolut echt anhört.

Was war eigentlich zuerst da – die Begeisterung für Harry Potter oder die Idee, mit Legosteinen zu filmen?
Eigentlich bin ich Harry-Potter-Fan, so wie mein Sohn. Zu Weihnachten wünschte er sich ein HP-Set von Lego. Und natürlich hat „Papa“ nix dagegen. So ganz war mein Sohn nicht davon überzeugt, denn es sollte sich „so bewegen wie im TV“. Ich experimentierte dann mit verschiedenen Methoden, die Figuren zu bewegen. Ich erinnerte mich mal eine Lego-Sequenz gesehen zu haben. Ohne zu wissen wie „die“ das gemacht haben, probierte ich mit meiner Webcam und einem Capture-Programm eine Animation zu machen. Das Ganze (den HP-Trailer) stellte ich dann einer Potter-Fangemeinde vor. Die waren natürlich begeistert. So was hatte es bis dahin nicht gegeben.
Schnell folgte dann der Anschluss an ein Brickfilm-Forum, das Brickboard.de.

Wie viele Legosteine hast du für den Film so ungefähr verbaut?
Das ist schwer zu sagen. Tausende. Ich habe mehrere Spielzeugkisten voll mit losen Steinen, mehrere aufgebaute Sets wie Häuser, Autos, den fahrenden Ritter oder den Hogwarts-Express und einiges an vorsortierten Steinen.
Welches weitere Material hast du benötigt, z.B. für Kulisse und Beleuchtung.
So fern es mir möglich ist, nutze ich für alles Legosteine oder andere Klickstein-Materialien.
Die Versorgung mit Licht in einem Set ist seitens Lego nicht gut gelöst. Hier gibt es aber Hilfe, da es Menschen gibt, die Legosteine modifizieren. Sie löten kleine LEDs in solche Steine, bauen Batterie-Kästen, Verteiler und Magnetschalter. Mit diesen Dingen kann man sehr gut seine Sets beleuchten und es sieht dann einfach „echt“ aus. Hinzu kommen natürlich Schreibtischlampe und Deckenleuchte. Mit einfachen Dingen wie buntem Krepppapier kann man auch die Lichtfarbe beeinflussen.
Zudem habe ich einen kleinen Fundus an fertigen Sets. Häuser zum Beispiel brauche ich immer. Und da greife ich gerne auf die Sets von Lego zurück. Mittelalter, Fantasy und heutige Architektur – so was sammelt man dann zusammen. Natürlich kommen auch selbst erstelle Requisiten vor. Bücher kann man sehr gut mit eigenen Bildern bekleben, Radios werden selber gebaut und natürlich auch ein Motorrad mit Beiwagen.

Hört sich nach viel Arbeit an. Warum verwendest Du die „altmodische“ Stop-Motion-Animation und nicht computeranimierte Avatare?
Prinzipiell bin ich eigentlich gegen den Einsatz von 3D. Es gibt Ausnahmen, klar. „Men o´ War” oder “It’s hard to be a stormtrooper”. Hier waren aber 3D-Künstler am Werk. Jedoch lassen auch diese Filme das Flair eines „echten“ Legosteins vermissen. Zudem haucht ein Stop-Motion-Film einem Stein ein „Eigenleben“ ein. Es hat ein bisschen was von „Magie“ oder „Zauberei“. Die Legowelt, die jedes Kind im Zimmer hat, scheint zu leben. Natürlich verwende ich auch Effekte wie Feuer, die nicht real sind. 3D sehe ich in meinen Filmen nur als „Unterstützung“ für Aufnahmen, die sonst viel zu aufwändig wären. Hiervon aber mehr im nächsten Trailer. Aber es ist doch ein Unterschied ob man durchweg mit 3D arbeitet oder mit realen Steinen. Das ist ungefähr so wie mit CDs oder Vinyl.
Beim Animieren selbst kann ich zudem abspannen. Das machen Andere beim Fußball gucken oder in der Kneipe. Ich kann das so am Besten.

Nützliche Links von Mario Baumgartner:

http://www.brick-potter.de (Mario Baumgartners eigene Seite mit seinen neuesten Videos, Tipps und Tricks)
http://www.bricktrick.de (Von dort aus kommt man eigentlich überall hin – Communities, Steinerei, Effekte, Software, etc.)
http://www.brickboard.de (das ist DIE Community, in der sich die ganzen deutschen Brickfilmer treffen)
http://www.bricksinmotion.com (DAS internationale Portal mit Filmdatenbank)
http://www.brick-cinema.com (sagt der Name ja schon)
http://www.golego.de (zählen zu den aktivsten und besten Brickfilmern: Steffen Troeger und Sandra Abele)

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  • Pingback: How-to: Lego das Fliegen beibringen mit Videobearbeitung | Das MAGIX Magazin

  • Tobi

    Ich kenne den, der war auch schon im Fernesehen.
    Schaut euch mal seine anderen Filme an, Snape vs. Vader ist ganz lustig!

  • Steffi

    Ich find das krass, was mittlerweile technisch so möglich ist.
    In meiner Kindheit hat man sich noch selber lustige Stories mit den LEGO-Figuren ausgedacht, jetzt könnte man die sogar noch visualieren.
    Respekt an die Leute, die sowas können :)

  • http://www.brick-potter.de Mario

    Hallo Herr Dr. Hepp.
    Glückwunsch zum neuen Magazin.
    Das Interview ist doch recht schön geworden.
    Besten Dank,
    Mario Baumgartner

  • Achterstein

    Respekt vor so viel Arbeit.
    Kaum zu glauben dass das nur ein Hobby sein soll.

  • Ralf

    Respekt.
    So etwas habe ich noch nicht gesehen.
    Und mal von der Qualität der Stimmen abgesehen ist es beeindruckend, was man zu Hause alles machen kann.
    Auf jeden Fall bekommt man Lust seine Videos mit den Soundpools zu vertonen.
    WIrkt ja schon sehr echt!

  • Wolfgang68

    Der muss ja lange Weile haben, dass hat doch sicher Ewig gedauert

  • Simone70

    Wunder schön!
    Ich habe das Buch gelesen, und dieserTrailer kommt wirklich verdammt nah ran.
    Es sind so viele Details enthalten, wie z.B. das Geweih an der Wand, dass man wirklich auf einen “B-teil” gespannt ist. Den gibt es ja allem anschein nach, oder?

  • Pingback: Legofilme übers Glück: Brickfilm-Festival Steinerei 2010 | Das MAGIX Magazin

  • Chris

    Hi, also erstmal, der Trailer ist wirklich verdammt gut gelungen, bin total begeistert. Aber in welchem Programm wurden die Animationen gemacht? Und gibt es Tutorials dazu?
    Bin nämlich schon seit ewigkeiten auf der Suche nach einem Programm um solche Animaionen einzubauen.