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Videos cineastisch gestalten – von Florian Niemczyk

Videos cineastisch gestalten – von Florian Niemczyk

Was bedeutet cineastisch?

Wer auf YouTube unterwegs ist und nach einem Review, Kurzfilm oder dergleichen sucht, stolpert schon mal über den Begriff „cinematic“ oder „cineastisch“. Wer sich solch ein Video mal angesehen hat, wird schnell feststellen, dass die Videos hochwertiger produziert wirken und eine gewisse Dramatik entwickeln. Wer ein „Cinematic Video“ produziert , möchte es qualitativ auf ein sehr hohes, Film-ähnliches Level heben. Man möchte einen Filmlook erzeugen, eine Geschichte erzählen, oder im Falle eines Reviews, ein Produkt in Szene setzen. Das kann, muss aber nicht immer, dramatisch wirken, es ist jedoch die häufigste Form. Sie verwendet typische Stilmittel, die jeder ohne schweres und teures Equipment anwenden und umsetzen kann.

Welche Stilmittel werden typischerweise verwendet?

Häufig wird auch das sogenannte Colour Grading verwendet. Dabei wird einer Filmszene ein farblicher Ausdruck verliehen, der die jeweilige Situation und Emotion unterstreicht bzw verstärken soll. Eine rote Tönung kann dabei beispielsweise einen aggressiven, wütenden oder aber liebevollen oder warmen Eindruck entstehen lassen. Eine bläuliche Untermalung wird oft in Horrorfilmen verwendet, um eine kalte oder ängstliche Wirkung zu erzeugen. Es kommt immer auf den gewollten Ausdruck an, der dann entscheidend für die farbliche Tönung ist. Hier sieht man, welchen Unterschied solch ein Grading hervorrufen kann. Im oberen Bild zu sehen ist die Flache Aufnahme der Kamera (in meinem Fall FZ1000) und unten die selbe Szene mit Colour Grading. Diese macht einen anderen, einen wesentlich intensiveren Eindruck.

Aufnahme der FZ1000 ohne Colour Grading cineastisch

Aufnahme der FZ1000 ohne Colour Grading

(Szene aus meinem Video "Roast Yourself – Der Tag an dem ich starb" - YouTube: Floriny) cineastisch

Szene aus meinem Video „Roast Yourself – Der Tag an dem ich starb“ – YouTube: Floriny

Für die Dramaturgie wird oft ein Slow Motion Effekt angewandt. Eine Szene wird dabei gewollt in die Länge gezogen, damit die Spannung aufrecht erhalten bleibt und so den Zuschauer mehr in der Szene fesselt.

Ein weiteres Stilmittel ist der Bildausschnitt und der Fokus. Hierbei ist es wichtig zu wissen: Was möchte ich mit der Szene ausdrücken? Was soll in den Vordergrund gerückt werden, was in den Hintergrund? Möchte man zum Beispiel Emotionen einfangen, wird ein Close-Up gewählt und der Gesichtsausdruck in den Vordergrund gerückt. Damit dieser auch besonders zur Geltung kommt, wird er fokussiert, während der Hintergrund unscharf bleibt. Selbiges lässt sich auch auf ein Produktreview übertragen. Wird gerade der Lautsprecher thematisiert, dann setze ich diesen ebenfalls mit einem Close-Up in Szene und stelle den Rest in den Hintergrund bzw. mache ihn unscharf. Möchte ich eine andere Person oder einen anderen Bereich in den Vordergrund der Szene rücken, muss nicht gleich der Bildausschnitt verändert werden. Meist geht dies mit einer Fokusverlagerung einher. Im folgendem Bild sieht man eine Close-Up ähnliche Szene, die im Goldenen Schnitt liegt, da das Objekt an den Kreuzpunkten liegt.

("Roast Yourself - Der Tag an dem ich starb" - YouTube: Floriny) cineastisch

(„Roast Yourself – Der Tag an dem ich starb“ – YouTube: Floriny)

Der Goldene Schnitt ist eine von vielen Möglichkeiten, um etwas hervorzuheben. Im Beispielbild zuvor wurde die Person in die Mitte gerückt, um sie so stärker in den Vordergrund zu stellen, da das Gesamtbild auf einen Fluchtpunkt zu läuft. Man spricht hier von der Fluchtpunktperspektive.

Unabhängig vom Genre wird im Kino ein Film in einem eher ungewöhnlichem Seitenverhältnis dargestellt – nämlich im 21:9 Verhältnis. Das typische Seitenverhältnis beträgt 16:9. Dieses ist bei Monitoren, Smartphones oder Fernsehern mittlerweile der Standard. 21:9 erzeugt demnach ein breiteres Bild und kommt dem Sichtfeld des menschlichen Auges am nächsten und wird deshalb bei Filmen verwendet, um als Zuschauer mehr ins Geschehen eintauchen zu können. Hier ein Beispiel für das 21:9 Format. Auf unserem Bildschirm, erhalten wir dabei die typischen schwarzen Balken.

schwarze Balken am oberen und unteren Rand des Videos cineastisch

Wie setze ich diese Stilmittel um?

Beim Drehen eines Videos ist es immer wichtig, vor allem eigene Kreativität zu entwickeln, neue Perspektiven zu entdecken und sich erst einmal auszuprobieren. Es gibt kein festes Regelwerk der Videographie, an das man sich halten muss. Es gibt zwar hier und da Möglichkeiten, wie oben bereits aufgelistet, aber das sind nur Vorschläge. Video- und Fotographie sind Formen der Kunst, die dadurch geprägt sind, dass man sich in diesem Bereich frei austoben kann und seinen Ideen freie Bahn lässt, insbesondere da sich vieles auch von der Umgebung, dem Setting und der Situation unterscheidet.

Colour Grading

Beim sogenannten Colour Grading lautet das Motto: Weniger ist mehr. Wenn man nicht gerade etwas zu überspitzt darstellen möchte, sollte man nur dezent das Grading durchführen. Genaue Farbtonwerte kann- und sollte man nicht nicht vorgeben, da es immer auf das aufgenommene Bild ankommt. Hier ist eigene Kreativität und Ausprobieren gefragt. Bei Video deluxe findet man unter „Effekte“ und „Videoeffekte“ die Auswahl „Farbkorrektur“. Hier kann man durch Ziehen des Kreises in der Farbpalette das Bild einfärben. Neben der Farbkorrektur findet man im selben Reiter die Sättigung, sowie Helligkeit und Kontrast, dessen Werte ebenfalls angepasst werden können.

cineastisch bearbeiten

Tipp: Für einen größeren Spielraum bei der Nachbearbeitung lohnt es sich in der Kamera ein eigenes Bildprofil anzulegen und dabei Kontraste und Sättigung runterzuregeln.

Slow Motion Effekt

Wenn man nicht gerade eine hektische Szene darstellen will, ist es von Vorteil, langsamere Kamerabewegungen zu machen bzw. die Videoaufnahme statt in 25p oder 30fps, in 50p bzw. 60fps aufzunehmen und nachträglich in MAGIX Video deluxe zu verlangsamen. Dies funktioniert, indem man bei Video Deluxe „Effekte“ und „Videoeffekte“ sowie den Reiter „Geschwindigkeit“ auswählt und die Geschwindigkeit mit dem Regler auf etwa 0,5 stellt. Unter Umständen muss man voranstehende Objekte in der Timeline verschieben, da sich sonst zwei oder mehrere Aufnahmen durch das Strecken des Videos überlappen können.
cineastisch

Tipp: Beim Aufnehmen sollte die Verschlusszeit 1/100 bei 50p bzw. 1/120 bei 60fps betragen, um eine ruckelfreie Slow-Motion zu erzielen. Dies lässt sich bei der Kamera z.B im manuellen Modus (M) verändern.

Close-Up/Goldener Schnitt

Ein Close-Up ist einer von vielen Beispielen: Man sollte seine Kamera auf manuellen Fokus und den kleinsten Blendenwert einstellen. Die am weitesten geöffnete Blende erhält man, wenn man bei seinem Objektiv die geringste Brennweite einstellt. Entweder wechselt man in den manuellen Modus (M) der Kamera oder stellt auf Aperture (A) um. Hier kann man Blende und ISO selbst einstellen und die Kamera wählt die Verschlusszeit aus. Jedoch sollte diese bestenfalls nicht unter 1/50 liegen. Gegebenenfalls ändert man den ISO-Wert. Nun stellt man das gewünschte Objekt scharf und nähert sich diesem möglichst nah, sodass der Hintergrund unscharf wird.

cineastisch

Tipp: Das Annähern eines Objektes kann man während der Videoaufnahme machen. Wieviel Bildausschnitt das Objekt am Ende einnimmt, bleibt einem selber überlassen genauso wie die Position im Bild. In diesem Fall liegt es auch im goldenem Schnitt, da es den Kreuzpunkt trifft.

Kinofilmformat

Zu guter Letzt das 21:9 Format. Dieses lässt sich in Video deluxe im Nachhinein problemlos einstellen. Das Kinoformat hat zum üblichen 16:9 Format den Unterschied in der Höhe des Bildes. Dieser muss in Video deluxe verändert werden. Allgemein entspricht das 21:9 dem Verhältnis von 2,35:1, um nun die notwendige Höhe für unseren Film zu berechnen, müssen wir die Breite um den Faktor 2,35 teilen. Konkret bedeutet dies für einen 1920 x 1080p (Full HD) Video: 1920/(2,35) = 817. Diesen errechneten Wert ersetzen wir in MAGIX Video deluxe durch die übliche Breite (1080 bei Full HD). Diese Option findet man wieder unter „Effekte“ und dem Reiter „Ansicht/Animation“ und „Ausschnitt“. Hierbei ändern wir nur zwei Eigenschaften. Zum einen wählen wir „Proportionen frei“ aus und ändern den Wert von 1080 auf 817 und bestätigen dies mit „Enter“. Im Normalfall zentriert das Programm den Ausschnitt richtig, falls nicht, lässt sich dies unter „Position/Größe“ einfach ändern, indem man auf die Schaltfläche „Zentrieren“ drückt.

cineastisch 8

Das waren ein paar Stilmittel, die in besonders häufiger Form bei Kinofilmen auftreten und jedes Video qualitativ anheben können, ohne teures Equipment kaufen zu müssen. Wichtiger als all das ist nach wie vor die eigene kreative Gestaltung und ich hoffe einigen hiermit ein wenig Hilfe oder gar Inspiration vermittelt zu haben.

Wollt ihr selber mit cinematischen Videos loslegen? Dann ladet euch die kostenlosen Testversionen von Video deluxe Plus auf unserer Webseite herunter und schneidet euren eigenen Film im Kinolook!


Über Florian Niemczyk: Student, Hobbyfotograf und Filmer Florian Niemczyk betreibt auf seinem YouTube Kanal „Floriny“ mehrere Formate darunter MAGIX Tutorials, Comedy sowie Reviews zu technischen Produkten. Neben seiner Präsenz auf YouTube findet man ihn unter dem selben Namen auf Twitter und informiert dort seine Community über zukünftige Projekte, Kanal Updates und hilft gerne andere bei Fragen rund um Video deluxe sowie Video- und Fotografie.

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