News, Stories & Inspiration zu unserer Multimedia-Software

WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde Vorspeise

lion WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde VorspeiseWas bleibt, wenn die WM geht? Erstmal ein großes, schwarzes Nichts – wie die deutschen und uruguayischen Fans seit Mitte dieser Woche mal wieder wissen. Obwohl das Turnier für beide Mannschaften noch nicht beendet ist und sie im sogenannten „kleinen Finale“ im Spiel um Platz drei noch die Möglichkeit haben, die Weltmeisterschaft positiv ausklingen zu lassen, folgt nach dem großen Rausch der letzten Wochen erstmal der ernüchterne Kater. Denn plötzlich und mit einem Schlag ist ein Monat geballter Fußballfreude vorbei, wobei Wochen der Vorfreude noch nicht einmal mitgerechnet werden. Einige sind sicherlich ganz froh darüber, jetzt nicht mehr beinahe täglich mit Fragen konfrontiert zu werden wie: „Wo wollen wir das Spiel gucken?“ „Nimmst Du die Getränke mit und ich kümmere mich um das Essen?“ oder „Soll ich mein Trikot nach der Bierdusche auf der Fanmeile jetzt waschen, oder bringt das Unglück?“

Das, was eine Fußballweltmeisterschaft so besonders macht, ist die Tatsache, dass die weltbeste Mannschaft nur alle vier Jahre gekührt wird. Anders als beispielsweise im Handball, wo sich die Mannschaften jedes Jahr begegnen, erhöht der vierjährige Rhythmus natürlich die Spannung. Aber ebenso den Druck. Denn manch Sportler weiß, dass er aus rein biologischen Gründen altersmäßig bei der nächsten WM in Brasilien nicht mehr dazu in der Lage sein wird, seinem Körper die gleiche Leistung abzuverlangen, wie noch dieser Tage.

elephant 264x300 WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde VorspeiseAuch wegen der vierjährigen Abstinenz zwischen den Turnieren wird eine aktuelle Weltmeisterschaft immer als eine Art Leistungsschau des gegenwärtigen Fußballs betrachtet. Aber wie bei so vielen Themen rund um den Fußball dieser Tage ist die Halbwertzeit mancher Meldung schon abgelaufen, kurz nachdem sie veröffentlich wurde. So können sich Betrachtung und Auswertung selbst während des Turniers rapide ändern: vor dem Achtelfinale galten noch die Südamerikaner mit ihrem Spiel als das Maß aller Dinge. Alle Mannschaften des Kontinents hatten die Vorrunde gemeistert und strebten nun den ganz großen Wurf an. Am Ende des Turniers muss (mal wieder) konstatiert werden, dass Europa dominierte und insgesamt drei der vier Halbfinalisten stellte.

Doch dies waren andere Mannschaft als noch bei der WM 2006 in Deutschland. Der aktuelle Weltmeister aus Italien und Vize-Weltmeister Frankreich verabschiedeten sich bereits nach der Vorrunde, wobei vor allem „Le Blöd“ sich mit indiskutablen Leistungen auf und abseits des Platzes diskretierte. Wenn beinahe die gesamte heimische Bevölkerung der eigenen Mannschaft wünscht, schnell nach Hause zu fahren, dann muss unglaublich viel schief gelaufen sein. Der geneigte Fußballfan kann dem neuen Trainer der Franzosen, Laurent Blanc, bloss wünschen, dass er es schnell schafft, dem Team die Einstellung einzuimpfen, die „Le Bleu“ in der Vergangenheit stark gemacht hat.

ape1 247x300 WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde VorspeiseAuch aus Portugal und Brasilien kam leider wenig Inspirierendes. Anstatt „Jogo Bonito“, „das schöne Spiel“ ließen ihre Trainer quasi „Jogo efectivo“ spielen: einen unansehlichen Mix aus vermeintlich europäischen Tugenden wie erlahmende Spielkontrolle, uninspiertem Ballgeschiebe und militärischer Disziplin gepaart mit kurzen Momenten der südländischen Spielfreude, in denen dann die Spiele entschieden werden sollten. Das funktionierte nicht und manch Zuschauer wandte sich enttäuscht mit Grauen ab. An beiden Mannschaften kann ebenso die Tendenz festgemacht werden, dass Superstars auch nicht wirklich beim ersten Weltmeisterturnier in Afrika zum Zuge kamen. Vor allem die Stars der englischen Premier League schienen mit sich im Speziellen und der Situation im Allgemeinen überfordert. Auch der teuerste Spieler der Welt, Christiano Ronaldo, enttäuschte und so beschreibt Dirk Gieselmann im 11 Freunde-Liveticker den entscheidenden spanischen Gegentreffer im Achtelfinale der Portugiesen am Vortrefflichsten: „Das Schönste an diesem Treffer ist ja tatsächlich, dass dieser Ronaldo uns jetzt nicht mehr so megaloman entgegenpenissen kann wie sonst immer. Tschüss, ihr Partys mit Paris Hilton, ihr Bling-Blings, du Champagner aus fliederfarbenen Fußballschuhen. Hallo, Aus im Achtelfinale.“

cougar 300x177 WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde VorspeiseBevor es um die letzten beiden WM-Partien geht, noch ein Wort zur Krake Paul. Manch einer wollte sich ja in Zukunft schon die Lottozahlen, die Entscheidung der nächsten Bundespräsidentenwahl oder das Auftreten von Schwarzen Löchern durch Tintenfischen voraussagen lassen. Meine Meinung dazu: Paul gehört wie die meisten anderen Tümmler als „La ensalada de mariscos con pulpo“ auf einen Vorspeiseteller und darf nie wieder ein ganzes Volk so in seinen Bann ziehen … außer vielleicht bei der nächsten Weltmeisterschaft icon smile WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde Vorspeise

ger uru WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde Vorspeise

Das Spiel um die goldene Ananas? Nein! Schon vor vier Jahren tat es der deutschen Nationalmannschaft sehr gut, mit der Partie gegen Portugal dem Sommermärchen einen gebührenden Abschluss zu schenken. So wird es auch hoffentlich dieses Jahr. Denn trotz dem Ausscheiden hat Deutschland begeistert und es wäre schade, wenn die WM mit einem faden Nachgeschmack durch eine Niederlage gegen Uruguay abgeschlossen würde. Außerdem hat Miroslav Klose ja immer noch die historische Chance, bester WM-Torschütze zu werden. Allein deswegen sollten alle noch mal alles geben und versuchen, einer berauschenden WM ein würdiges Ende zu geben.

 

esp ned WM 2010: Le Blöd, Jogo efectivo und die orakelnde Vorspeise

Gerade für einzelne niederländische Spieler wird es ein ganz großer Tag: Rafael van der Vaart beispielsweise spielt nicht nur bei Real Madrid, sondern auch ein Teil seiner Familie lebt in Spanien. Mark van Bommel, Wesley Sneijder und Arjen Robben, um nur ein paar zu nennen, haben früher in der spanischen Liga gespielt. Die Nähe mancher Protagonisten wird aber nicht verhindern, dass die Niederlande eine andere Gangart wählen muss als die Deutschen, um das Spiel erfolgreich gegen Spanien zu bestreiten. Nur wenn sie aggresiv das spanische Kurzpassspiel im Mittelfeld unterbinden können, haben sie eine realistische Chance auf den Titelgewinn. Falls „La Furia Roja“ es aber schafft, die Mittelfeldspieler so routieren zu lassen, wie es teilweise gegen die Nationalmannschaft geschah, kann es nur einen Weltmeister 2010 geben: Spanien!